Ein Auto für alle Saisonen ist das 1er-Cabrio von BMW zweifelsohne, nur beim Motor hätten wir in ein anderes Regal gegriffen. Der 118d gibt sich ein bisschen gar brav fürs lustvolle Autofahren.
Die Frage, ob Diesel für ein Cabrio überhaupt zulässig ist, überlässt man am besten dem Markt. Sonst verzettelt man sich in einem Glaubenskrieg, und am Ende wird's persönlich. Der Markt will derlei durchaus haben, und es passt ja auch ins Konzept vom Cabrio als Ganzjahresauto. Dieses muss eben auch sparsam sein.
Ein Auto für alle Saisonen ist das 1er-Cabrio von BMW zweifelsohne. Das Dach, wenn es denn aufgespannt ist, dämmt akustisch so gut, dass man auf der Autobahn kaum bemerkt, in einem Cabrio zu sitzen. Und natürlich zieht und pfeift nichts und bläht sich nichts auf, wie das früher üblich war.
Versenkt ist das Dach auf Knopfdruck in einer Zeit, die man an der roten Ampel gut unterbringt, außerdem darf man öffnen und schließen, während man fährt, solange es nicht zu schnell ist. Dort, wo das gefaltete Verdeck zum Liegen kommt, ist der Kofferraum schon beengt, doch insgesamt ist er erstaunlich groß für ein Cabrio. Mit etwas Strategie beim Beladen kommt man gut durch für einen Wochenendurlaub.
Ja zum Leben
Coupé und Cabrio sind uns ohnehin die liebsten Varianten der 1er-Reihe. Dort passen die knappen Platzverhältnisse am besten zum knackigen Fahrgefühl, das an den alten 3er (bis zur Baureihe E36) erinnert. Von allen Seiten betrachtet, ist das Cabrio ein schickes, aber nicht angeberisches Auto. Zu empfehlen ist eine lebensbejahende Farbe wie das hübsche „Vermilionrot“-Metallic unseres Testexemplars. Wer noch Geld übrig hat, was beim Grundpreis von 37.536 Euro (inkl. Ö-Paket) nicht ganz einfach ist, kombiniert den Lack am besten mit einer schönen Lederausstattung.
Der Motor, schwächste Ausführung der drei Dieselvarianten mit 2,0 Liter Hubraum, ist ein braver Geselle. 143 PS sind ausreichend, auch für 300 Newtonmeter Drehmoment gilt das. Der Motor ist sparsam, schweigt an der Ampel und ist problemlos im niederen Sechsliterbereich zu fahren. Was ihm abgeht, ist Spritzigkeit. Er dreht, aber eben nicht gern.
Man beginnt, früh hochzuschalten und sehr ökonomisch zu fahren. Korrekt. Nach unserem Geschmack sollte man Cabriofahren aber lustvoller auslegen. So viele Kilometer kommen schon nicht zusammen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2011)