Investor will Abgang des Microsoft-Chefs

(c) AP (Gurinder Osan)
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Unter Steve Ballmer schrieb Microsoft zwar weiter Gewinne, stürzte an der Börse aber ab. Muss nun also Steve Ballmer gehen, um Microsoft den Weg in eine erfolgreiche Zukunft zu ebnen?

Wien/Auer. Als Cartoonheld mag Charlie Brown Millionen Fans haben, an der Spitze eines Weltkonzerns wäre der ewige Verlierer von den Peanuts aber eine klare Fehlbesetzung. Es war wohl dieses Bild, das die Investment-Legende David Einhorn suggerieren wollte, als er Microsoft-Chef Steve Ballmer kürzlich in New York vorwarf, den weltgrößten Softwarekonzern wie „Charlie Brown“ zu managen. Unverblümt forderte der einflussreiche Fondsmanager den Verwaltungsrat des Unternehmens auf, den Mann an der Spitze endlich auszuwechseln.

Einhorns Stimme hat Gewicht – spätestens, seit der Manager von Greenlight Capital im Frühjahr 2008 das Investmenthaus Lehman Brothers wegen unsauberer Geschäftspraktiken an den Pranger gestellt hat. Wenige Monate später war Lehman bankrott.

Tech-Giganten wechseln Chefs aus

Nun könnte Einhorn bei Microsoft ins Rollen bringen, was andere große Technologieunternehmen in den vergangenen Monaten bereits hinter sich gebracht haben: Von Hewlett-Packard über den Chiphersteller AMD bis hin zu Google haben sich viele Schwergewichte in der Branche frische Köpfe an die Firmenspitze geholt. Angetrieben wird diese Wechselwelle vom Aufstieg der jungen Konkurrenz rund um Firmen wie Facebook oder Twitter. Denn während die Social-Media-Start-ups derzeit von Investoren mit Geld zugeschüttet werden, haben viele renommierte Tech-Firmen einen schweren Stand an der Börse. Die neuen Chefs sollen garantieren, dass die alten Giganten den Sprung in die Post-PC-Ära schaffen und auch in boomenden Geschäftsfeldern wie dem mobilen Internet oder cloud computing eine Vormachtstellung aufbauen können.

Muss nun also auch Steve Ballmer gehen, um Microsoft den Weg in eine erfolgreiche Zukunft zu ebnen? Finanziell gesehen gibt es an seinen elf Jahren an der Spitze des Unternehmens nichts auszusetzen. Microsoft ist und bleibt eine Gelddruckmaschine. Die Umsätze haben sich verdreifacht, der Gewinn ist um 141Prozent gestiegen. Heute sitzt das Unternehmen auf 50Mrd. Dollar in cash. Dass sich das Wachstum verlangsamt hat, hängt auch mit der schieren Größe des Konzerns zusammen.

Dennoch ist Einhorn überzeugt: „Seine Anwesenheit ist die größte Bremse für die Microsoft-Aktie.“ Tatsächlich hat sich der Wert einer Microsoft-Aktie mehr als halbiert, seit Ballmer im Jahr 2000 den Chefsessel von Bill Gates übernommen hat. Ballmer habe es der Konkurrenz „erlaubt“, Microsoft bei Smartphones, Tablets und Social Media zu überholen, klagt Einhorn. Sein Geld verdiene der Konzern auch heute noch vor allem mit dem Windows-Betriebssystem.

Kritik, die auch dem Verwaltungsrat von Microsoft nicht ganz unbekannt ist. Erst im Vorjahr fror das Gremium einen Teil von Ballmers Bonus wegen mangelnden Erfolgs im mobilen Internet und bei Tablets ein. Im Onlinegeschäft bekam der Konzern bis dato auch keinen Fuß auf den Boden und produzierte Verluste in Serie. Die Suchmaschine Bing, ausgeschickt, um Google Konkurrenz zu machen, verbrannte allein im letzten Quartal 700Mio. Dollar. Mit geringem Effekt: Google hält seinen Marktanteil stabil.

Bill Gates stärkt Ballmer den Rücken

Ob Microsofts neunköpfiger Verwaltungsrat dem Ruf des Investors folgen und Ballmer ersetzen wird, ist fraglich. Entscheiden wird das letztlich nicht Einhorn, dessen Fonds gerade einmal 0,11Prozent am Unternehmen besitzt, sondern Bill Gates. Der hat bereits durchblicken lassen, dass er nicht daran denke, Ballmer bald auszuwechseln. Solange der Microsoft-Gründer und mit 6,7Prozent größte Einzelaktionär die Meinung über seinen ehemaligen Zimmerkollegen aus Harvard nicht ändert, hat Steve „Charlie“ Ballmer nichts zu befürchten.

Auf einen Blick

Chefwechsel im Hause Microsoft? Der legendäre Investor David Einhorn wirft Steve Ballmer vor, eine „Bremse für die Microsoft-Aktie“ zu sein. Er fordert einen Wechsel an der Spitze des Unternehmens. Unter Ballmer schrieb Microsoft zwar Gewinne, verpasste in vielen Bereichen aber den Anschluss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2011)


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