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IWF: Ein Israeli hofft auf Topjob

(c) REUTERS (RONEN ZVULUN)
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Stanley Fischer, Israels Zentralbankchef, will Dominique Strauss-Kahn nachfolgen. Das Zünglein an der Waage sind die USA. Bis zum 10. Juni will der IWF drei Kandidaten für die Nachfolge Strauss-Kahns nennen.

Wien/Stef. „Lagarde – das ist gelaufen“, zitierte die französische Nachrichtenagentur AFP einen europäischen Diplomaten am Freitag in Hinblick auf die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn an der Spitze des IWF. Tatsächlich hat Christine Lagarde die besten Karten im Rennen um den Topjob. Doch hoffen einige Mitbewerber, dass der französischen Finanzministerin ein mögliches Verfahren in ihrer Heimat wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder zum Verhängnis werden könnte.

So will der Israeli Stanley Fischer nun ebenfalls für den Posten kandidieren. Der Zentralbankchef gilt in Diplomatenkreisen als bestens vernetzt. Fischer war bereits in den 1990er-Jahren Vizechef beim Internationalen Währungsfonds. An der Seite des jetzigen US-Finanzministers Timothy Geithners, der schon damals im Finanzministerium arbeitete, orchestrierte er die Weltwirtschaft durch die Asienkrise.

 

Einfache Mehrheit genügt

Bis zum 10. Juni will der IWF drei Kandidaten für die Nachfolge Strauss-Kahns nennen. Ende Juni soll der nächste Chef präsentiert werden. Das Zünglein an der Waage dürften die USA spielen. Die EU-Staaten verfügen über 35Prozent der Stimmen, zusammen mit den 17Prozent der USA könnte Lagarde die nötige einfache Mehrheit erreichen. Allerdings: Stellten sich die Amerikaner hinter Fischer, könnte sich das Blatt wenden. Noch haben die USA keine klare Präferenz für einen Europäer erkennen lassen.

Zugute kommen könnte Fischer sein multikultureller Hintergrund. In Sambia geboren, kandidierte er 2000 als „afrikanischer Kandidat“ um den Posten des IWF-Chefs – vergeblich, die USA verweigerten die Zustimmung. Sie wollten einen Europäer – Horst Köhler – an der Spitze, um einen Amerikaner zum Vizechef zu machen. Elf Jahre später sieht die Sache anders aus: Fischer hat zwei Pässe, einen israelischen und einen amerikanischen.

Gegen Fischer spricht freilich der zu erwartende Widerstand der arabischen Welt, und auch sein Alter: Fischer ist 67, das offizielle Limit für eine Kandidatur liegt bei 65 Jahren. Doch haben Diplomaten bereits angedeutet, dass diese Regel abgeändert werden könnte. Eine wahrscheinliche Variante ist deshalb nach derzeitigem Stand, dass Lagarde, Mexikos Zentralbankchef Agustín Carstens und eben Fischer für den Posten des IWF-Chefs kandidieren werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2011)