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Euro in Not, Franken-Kreditnehmer in Not

(c) Clemens Fabry
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Die heimischen Franken-Kreditnehmer werden auf ihre härteste Probe gestellt. Durch den extremen Euro-Abfall verteuern sich ihre Kredite. Man kann aber Vorkehrungen treffen.

Wien. Mit dieser Wette hätte man ein Vermögen gemacht. Vor einigen Jahren hatte kaum ein Ökonom für möglich gehalten, dass der Euro gegenüber dem Franken so wenig wert sein würde wie jetzt. Derzeit bekommt man für einen Euro rund 1,22 Schweizer Franken. Um 27 Prozent weniger als noch im Sommer 2007. Der äußere Wert des Euro ist zum Franken so gering wie noch nie zuvor.

Das ist zunächst für die heimischen Banken ein großes Problem. Sie haben noch eine Menge an Franken-Krediten draußen. Wenn der Euro zum Franken an Wert verliert, müssen die Institute mehr Eigenkapital hinterlegen. Die Franken-Kreditnehmer betrifft das auch. Und zwar dann, wenn die Banken in unsicheren Zeiten mehr Sicherheiten verlangen.

 

Mit dem Franken nicht gut gefahren

Selbstverständlich macht der Währungskurs den Kreditnehmern auch Sorgen. Fällt der Euro zum Franken ab, erhöht sich die Kreditschuld. Wer etwa im Jahr 2000 ein Franken-Darlehen aufnahm, ersparte sich bisher eine Menge an Zinsen. Durch den Kursverlust wäre man mit einem Franken-Kredit aber schlechter gefahren, würde man ihn jetzt tilgen. Panik ist aber nicht angesagt. Die steigende Kreditschuld ist nur auf dem Papier sichtbar und noch nicht Realität.

Die Franken-Kredite sind im Normalfall endfällig. Das heißt, der Kreditnehmer zahlt während der Laufzeit nur die Zinsen, getilgt wird erst am Schluss. Dadurch kann man Vorkehrungen treffen.

1Laufzeit verlängern, um ungünstigen Rückzahlungskurs zu verhindern

Ein Problem haben jene, die den Kredit schon bald tilgen müssen. Beim derzeitigen Kurs müssten sie hohe Währungsverluste realisieren. In diesem Fall sollte man die Laufzeit des Kredits verlängern. Dazu ist der gute Wille der Bank notwendig. Soll heißen, man sollte sich mit dem Institut gut verstehen. Das soll aber nicht heißen, dass man bis dahin alle Forderungen der Banken einfach so hinunterschluckt. Etwa, wenn sie demnächst deutlich höhere Sicherheiten verlangen sollte. Hier kann man mit der Bank verhandeln. Wer dazu kein Geschick hat, sollte beim Bankgespräch einen unabhängigen Berater hinzuziehen.

Man könnte den Wechselkurs auch mit Hebelzertifikaten oder Währungsoptionsscheinen absichern. Diese Instrumente sind derzeit aber relativ teuer. Sie würden sich wohl nur dann rechnen, wenn es noch heftigere Bewegungen gibt, etwa eine längerfristige Euro-Franken-Parität oder ein Euro-Frankenkurs unter eins (siehe Punkt drei).

2Vorzeitig tilgen, um Risiko herauszunehmen– aber nicht jetzt

Seit der Finanzkrise 2007 ist die Unsicherheit auf den Finanzmärkten groß. Es ist daher sicher nicht schlecht, wenn man etwas Risiko aus dem Franken-Kredit herausnimmt. Man beginnt beim endfälligen Kredit schon früher mit der Tilgung. Wer etwas mehr Geld bei der Seite hat, kann einen Teilbetrag der Kreditsumme zurückzahlen. Damit reduzieren sich die Kreditschuld und die Zinsbelastung.

Aber Achtung: Mit diesem Schritt sollte man auf jeden Fall noch warten. Die Tilgungsraten müssen nämlich zunächst in Schweizer Franken umgerechnet werden. Für den Euro bekommt man derzeit aber nur wenige Franken.

Wer einen größeren Teilbetrag vorzeitig tilgen will, sollte das eher nicht zu einem Wechselkurs von unter 1,35 Franken je Euro machen. Wer auf einen noch besseren Kurs (etwa 1,45) hofft, müsste aus heutiger Sicht schon sehr optimistisch sein und dafür länger warten.

3Die Hoffnung, dass der Euro zum Franken wieder deutlich zulegt, ist berechtigt

Der Euro wird zum Franken wieder steigen. Alles andere wäre wirtschaftlich kaum vorstellbar. Der exportorientierten Schweiz macht der harte Franken schwer zu schaffen. Die Ausfuhren in den Euroraum sind teurer, die Wirtschaft verliert an Wettbewerbsfähigkeit. Eine Simulationsrechnung der ETH Zürich verdeutlicht die großen Auswirkungen des Wechselkurses. Sollte laut der ETH-Kalkulation der Wert des Franken in diesem Jahr um sieben Prozent abnehmen, würde das schweizerische Wirtschaftswachstum 2011 und 2012 je vier Prozent anstatt zwei Prozent betragen.

Die Realität schaut derzeit anders aus. Seit Jahresbeginn wurde der Franken um zwei Prozent stärker. Der Schweizer Wirtschaft gefällt das gar nicht. Große Firmen haben damit kein Problem, sie produzieren global. Für die mittelständischen Unternehmen und für die Forschung und Entwicklung in der Schweiz wäre ein anhaltend starker Franken ein großes Malheur. Ein Teil der Produktivität würde ins Ausland verlagert werden müssen. Der innere Wert der Schweiz und ihrer Währung würde sinken. Das wäre längerfristig wieder positiv für die heimischen Franken-Kreditnehmer.

 

Zinslücke zwischen Euro und Franken

Die Schweizer Nationalbank wird aber schon mittelfristig den Franken schwächen wollen. Auch wenn es derzeit einige gegenteilige Prognosen gibt, wird die SNB die Zinsen niedrig halten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hingegen wird laut gängigen Prognosen ihren Leitzins in diesem Jahr noch zwei- bis dreimal anheben. Damit erhöht sich die Zinsdifferenz zwischen dem Franken und dem Euro. Das sollte die europäische Gemeinschaftswährung laut Lehrbuch stärken, da sie für die Investoren interessanter wird. Dass die Zinsschere auseinandergeht, konnt man bereits in den vergangenen Tagen deutlich erkennen.

Der Drei-Monats-Euribor (an dem viele Euro-Kredite gebunden sind) notiert aktuell bei 1,43 Prozent, der Franken-Libor (drei Monate) hingegen bei nur 0,18 Prozent. Daraus ergibt sich bereits eine Zinsdifferenz von 1,25 Prozentpunkten. Dieser Vorteil nützte dem Euro zuletzt noch nicht. Die Investoren ließen sich vor allem von den negativen Meldungen um das hoch verschuldete Euro-Mitgliedsland Griechenland beeindrucken.

Das drückte auch auf die Börsen, die Kurse gingen deutlich zurück. Sollte die Stimmung besser werden und die Anleger wieder vermehrt in Aktien gehen, spricht das auch für den Euro. Da die Zahl an Börsenfirmen in der Schweiz begrenzt sind, geht tendenziell wieder Geld in den Euroraum zurück.

4Die Franken-Kreditnehmer zahlen niedrige Zinsen; das Geld muss in den Tilgungsträger

Bei den endfälligen Krediten zahlen die Kunden während der Laufzeit nur die Zinsen. Die Raten fließen dagegen in einen Tilgungsträger (etwa einen Fonds oder eine Lebensversicherung), mit dem am Laufzeitende das Darlehen getilgt werden soll. Viele Tilgungsträger liegen aber unter dem Plan-Soll, entweder durch die hohen Kursverluste während der Krise oder das niedrige Zinsniveau.

Hier gibt es nur einen Rat: die Beiträge zu erhöhen. Das sollte kein Problem sein. Schließlich wurden die Franken-Kredite mit einer Zinsbelastung (Libor plus Aufschlag) von 3,5 bis vier Prozent kalkuliert. Derzeit liegt die Belastung in den meisten Fällen bei 1,7Prozent. Damit erspart man sich bei einem 100.000-Euro-Kredit im Monat 150 bis 200 Euro. Dieses „ersparte“ Geld muss in den Tilgungsträger. [i-Stockphoto]

Was Sie beachten sollten bei den... Franken-Krediten

Tipp 1

Laufzeit verlängern. Wer schon bald den Franken-Kredit tilgen muss und das nicht zu dem derzeit ungünstigen Kurs machen will (dadurch würde man schließlich enorme Währungsverluste realisieren), kann die Laufzeit des Kredits verlängern. Dazu ist aber auch der gute Wille der Bank erforderlich. Man sollte es sich mit dem Institut in den nächsten Wochen nicht verscherzen und zu Beratungen einen unabhängigen Berater hinzuziehen.

Tipp 2

Vorzeitige Tilgung. Wer etwas Geld auf der Seite hat, kann damit den laufenden Franken-Kredit teilweise vorzeitig tilgen. Damit kann man die Kreditbelastung reduzieren und etwas Risiko aus dem Fremdwährungskredit herausnehmen. Aber: Die Tilgungsrate muss in Franken umgerechnet werden. Die Rate wäre derzeit wenig wert, da der Wert des Euro gering ist. Man sollte daher auf einen besseren Kurs, etwa 1,35 Franken je Euro, warten.

Tipp 3

Hoffen auf eine Erholung des Euro ist berechtigt. Dass die europäische Gemeinschaftswährung zum Schweizer Franken wieder steigen wird, ist absehbar. Die mittelständischen Unternehmen und der Entwicklungsstandort Schweiz leiden an dem harten Franken. Die Schweizer Nationalbank wird wohl die Zinslücke zwischen dem Franken und dem Euro weiter auseinandergehen lassen, damit der Euro wieder an Wert gewinnt.

Tipp 4

Mit der Zinsersparnis den Tilgungsträger aufstocken. Einen Vorteil haben die Franken-Kreditnehmer noch immer: Die Zinsen sind extrem niedrig. Sie sparen sich für einen 100.000-Euro-Kredit etwa eine monatliche Belastung von 150 bis 200Euro im Vergleich zur Kalkulation, die bei der Kreditaufnahme gemacht wurde. Dieses Geld sollte in den Tilgungsträger fließen, der wegen der globalen Finanzkrise wohl unter dem Plan-Soll ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2011)