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(c) Erwin Wodicka
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Das Damoklesschwert „Staatsschuldenkrise“ hängt derzeit zu drohend über den Märkten. Warum die Griechenkrise auch Aktionäre elektrisieren sollte und Saatgutaktien reiche Ernte versprechen.

Schön langsam steuern die Börsen seitwärts auf das Sommerloch zu. Mit wirklichen Kursschüben sollte man in den kommenden Monaten nicht mehr rechnen. Zwar versuchen Börsianer, die gute Stimmung zu beschwören, die angeblich noch unter Anlegern herrscht. Aber die schlägt sich nicht in Börsenumsätzen nieder: Viele Anleger haben den Markt verlassen, als er in den Seitwärtsmodus überging. Und sind seither nicht mehr zurückgekehrt.

Das Damoklesschwert „Staatsschuldenkrise“ hängt derzeit zu drohend über den Märkten. Zwar sind Aktien Sachwerte und als solche eine der besseren Geldanlagen, wenn es in der Eurozone oder (was ja auch nicht mehr ganz unwahrscheinlich ist) in den USA kracht, aber ordentlich in Mitleidenschaft gezogen würden die Aktienmärkte auch. Selbst dann, wenn es nur zu einem kleinen „Haircut“ etwa in Griechenland kommt.

Jeder „Default“ lässt nämlich sofort die Credit Default Swaps (CDS) schlagend werden, mit denen die betroffenen Staatsanleihen „versichert“ sind.

Im Fall Griechenlands, dem derzeit heißesten Kandidaten für eine Umschuldung, liegt das CDS-Volumen bei bis zu 70 Mrd. Euro. „Netto“ ist das Volumen zwar beträchtlich geringer, weil die Garantiegeber dieser Papiere sich mit Gegenwetten absichern. Aber auch diese Gegenwetten haben Wettpartner, sodass sich ein Default wie eine Tsunamiwelle durchs Finanzsystem frisst – bis sie irgendwo mit großer Gewalt an Land knallt.

Wie das läuft, hat man nach der Lehman-Pleite gesehen, als die CDS auf Lehman-Produkte schlagend wurden und den weltgrößten Versicherungskonzern, AIG, in Schieflage gebracht haben – was die Finanzkrise erst so richtig zum Blühen brachte.

Der CDS-Markt ist im Wesentlichen in der Hand von 16 globalen Großbanken, darunter UBS und Deutsche Bank. Diese haben ein gemeinsames Merkmal: Sie sind allesamt das, was man „systemrelevant“ nennt.

Es besteht also durchaus die Gefahr, dass die Umschuldung eines Eurolandes die Märkte ordentlich durchschüttelt. Wer jetzt investiert ist, macht also keinen Fehler, wenn er die politischen Nachrichten von der Schuldenfront aufmerksam und vor allem Verkaufsorder bei Fuß verfolgt.

Kann man in einer solchen Situation überhaupt noch einsteigen? Schon, wenn man die üblichen Vorsichtsregeln (zum Beispiel strikte Verlustbegrenzung) befolgt. Aber es wird immer schwieriger, brauchbares „Material“ zu finden. Fündig werden könnte man in Bereichen, in denen die stark gestiegenen Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise für Einnahmenwachstum sorgen. Da bieten sich in Deutschland der Düngemittelhersteller K+S (ISIN DE0007162000) und das Saatgutunternehmen KWS Saat (ISIN DE0007074007) an, die beide von den starken Einkommenszuwächsen in der Landwirtschaft profitieren.

Beide Aktien sind derzeit zwar – wie der Gesamtmarkt – im Seitwärtsmodus. Bei beiden stehen die Vorzeichen aber günstig: KWS Saat hat ein hervorragendes Ergebnis abgeliefert und seinen schon mehrfach angehobenen Ausblick auf das heurige Jahr bestätigt. Das wird sich auch in den Kursen niederschlagen. Charttechnisch ist der Wert freilich noch nicht im Kaufmodus, da muss die Wende noch abgewartet werden. Dafür hat K+S in der Vorwoche ein Kaufsignal generiert. Das könnte zumindest einen kürzerfristigen Trade wert sein.

Ökoenergie-Aktien (Solar, Windkraft etc.) waren für Anleger zuletzt zwar die reinste Qual und werden das – besonders, was die mit Überkapazitäten kämpfenden Solarwerte betrifft – wohl noch einige Zeit bleiben. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Eine davon ist der dänische Windkraftanlagenhersteller Vestas (ISIN DK0010268606). Dieser ist zuletzt unverdient stark hinuntergeprügelt worden, notiert um gut 20 Prozent unter seiner Peergroup – und hätte das Zeug, dieses Aufholpotenzial zu realisieren.

Zuletzt noch eine Nachricht aus der Insider-Ecke: Der Großinvestor Rudolf Fries hat seine (meldepflichtigen) Käufe von Aktien der Immofinanz (ISIN AT0000809058) stark intensiviert. Von den gut 18 Mio. Euro, die er heuer schon in Immofinanz gesteckt hat, ist ein Drittel seit Anfang Mai geflossen. Der Mann kennt als Großaktionär das Unternehmen – und ist nicht bekannt dafür, schlechte Geschäfte zu machen. Vielleicht ist das Papier wirklich so unterbewertet, wie Immofinanz-Chef Zehetner immer betont...

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2011)

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