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Schulpaket: Neue Mittelschule kommt flächendeckend

Symbolbild
(c) Clemens Fabry
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Statt neuer Projekte präsentierte die Regierung bei der Klausur lediglich Details zu bekannten Vorhaben: Neue Mittelschule, Ganztagsbetreuung und Lehrerausbildung neu.

Semmering/Wien. Wer sich am Montag bei der Regierungsklausur am Semmering neue Bildungsinitiativen erwartet hatte, wurde enttäuscht: Rot und Schwarz präsentierten lediglich, was sie sich schon in den Vormonaten vorgenommen hatten. Jetzt stellten sie – gesammelt – die Details zu den Vorhaben vor:
•Neue Mittelschule statt Hauptschule: Im Schuljahr 2018/19 werden die letzten Hauptschulklassen auslaufen, danach soll es nur noch Neue Mittelschulen statt Hauptschulen geben. Das soll den Schülern mehr Förderung sowie auch Unterricht durch AHS-Lehrer bringen. Schon jetzt gibt es 320 NMS, 2011/12 werden 114 weitere Standorte dazukommen. Im Endausbau werden es 1173 NMS neben 264 AHS sein. Das ist der Kompromiss zwischen der SPÖ, die eigentlich eine Gesamtschule aller Zehn- bis 14-Jährigen will, und der ÖVP, die an einer Trennung von AHS-Unterstufe und Haupt-/Neuer Mittelschule festhält.
•Mehr Tagesbetreuung: Wie bereits 2010 skizziert, wird es bis 2015 jährlich 80 Mio. Euro „Bildungsoffensivmittel“ für mehr Tagesbetreuung in Schulen und Horten geben. Aktuell sind es 105.000 Betreuungsplätze, 2015 sollen es 210.000 in Schulen und Horten sein. Schon ab zwölf, nicht mehr ab 15 Schülern soll das Angebot dann verpflichtend sein. Betreuer sollen künftig die neue, zweisemestrige berufsbegleitende Ausbildung zum „Akademischen Freizeitpädagogen“ an den Pädagogischen Hochschulen absolviert haben.
•Lehrerausbildung neu: Künftig soll es Eignungsprüfungen und Aufnahmeverfahren für alle geben, die Lehrer werden wollen. Für die Zeit ab 2013/14 außerdem geplant sind gemeinsame Studieneingangsphasen auf tertiärem Niveau für alle werdenden Volks-, NMS-, AHS- und BHS-Lehrer: Gemeinsame „Kernbereiche“ sollen auch den Umstieg in der Lehrerausbildung erleichtern. Jeder Lehrer soll mindestens vier Jahre bis zum „Bachelor“ studiert haben, ehe er (vorübergehend) unterrichten darf; für den dauerhaften Einsatz soll der Abschluss als „Master“ Pflicht sein. Vorgesehen sind außerdem „Selbstreflexionsphasen“ aller angehenden Lehrer.
•Investitionen in den Schulbau: Bereits 2009 präsentierte das Unterrichtsministerium ein „Schulentwicklungsprogramm“: Bis 2018 gehen 1,8 Mrd. Euro in Schul-Infrastrukturprojekte (seit 2009/10: 688,6 Mio. Euro).

 

Heftige Kritik der Opposition

Weiters geplant sind bis zum Sommer Begutachtungsentwürfe zur „Oberstufe neu“ mit Kurssystem (Sitzenbleiben als Ausnahme) sowie zur „Integration nach der achten Schulstufe“, außerdem Expertengespräche zu einer aufgewerteten „Polytechnischen Schule“ sowie ein runder Tisch zur „Stärkung der Schulpartnerschaft“.

Die Opposition quittierte die Pläne der Regierung mit Häme: Von „Kurzurlaub“ (FPÖ) bis „Inszenierung“ (Grüne) reichte ihr Urteil – nicht nur – zum Schulpaket.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2011)