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Türkei erwägt Herabstufung der Beziehungen zu Israel

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Der für Tel Aviv vorgesehene Botschafter Kerim Uras könnte Kadri Ecvet Tezcan, den umstrittenen Vertreter in Wien, ablösen. Uras war schon damals zum türkischen Botschafter in Israel ernannt worden.

Wien/Cu. Die Türkei erwägt die Beziehungen zu ihrem langjährigen Verbündeten Israel dauerhaft herabzustufen. Das hat ein hochrangiger türkischer Diplomat auf Anfrage der „Presse“ bestätigt. Noch sei keine Entscheidung gefallen, sagte er. Doch wenn Kerim Uras, der für Tel Aviv vorgesehene Botschafter, an einem anderen Ort zum Einsatz komme, werde die Stelle in Israel nicht besetzt.

Einen Bericht der Zeitung „Hürriyet“, wonach Uras den umstrittenen türkischen Botschafter in Wien, Kadri Ecvet Tezcan, ablösen werde, wollte der Diplomat nicht kommentieren. Tezcan hatte im November der Bundesregierung im „Presse“-Interview Versagen in der Integrationspolitik vorgeworfen. Österreichs Bevölkerung attestierte er, sich nur im Urlaub für fremde Kulturen zu interessieren. Dem Vernehmen nach wollte Ankara mit der Ablöse Tezcans bis nach der Parlamentswahl am 12.Juni zuwarten.

Uras war schon vor etwas mehr als einem Jahr zum türkischen Botschafter in Israel ernannt worden. Doch dann kam die Mavi-Marmara-Affäre dazwischen. Am 31.Mai 2010 enterten israelische Soldaten ein türkisches Schiff, das die Gaza-Blockade durchbrechen wollte. Dabei starben neun türkische Aktivisten. Seither herrscht Eiszeit zwischen Israel und der Türkei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2011)