Randerscheinung: 40 zu sein bedarf es wenig

Gut vier Monate nach meinem vierzigsten Geburtstag ist es Zeit ein erstes Resümee dieses angefangenen Lebensjahrzehnts zu ziehen. Primär meiner Seelenhygiene zuliebe (man soll Belastendes ja nicht in sich hineinfressen), aber schon auch als kleines Service für Sie. Egal, ob Sie noch in den Zwanzigern und Dreißigern herumschlempern, also noch keine Vorstellung von der grausamen Wirklichkeit haben, oder ob Sie die Vierzig schon so weit hinter sich haben, dass Sie sich nicht mehr daran erinnern können, muss ich Ihnen sagen: Der Vierzigjährige ist sozial total isoliert. Richtig junge Menschen halten ihn für so alt, dass sie ihm nur mehr mit einer Mischung aus Mitleid und Ekel begegnen.

Für ältere Menschen ist er aber noch nicht reif genug, um ihn für voll zu nehmen, gleichzeitig hassen sie ihn für seine relative Jugend. Auch sexuell befindet man sich im Niemandsland. Für alle möglichen Eskapaden deutlich zu alt (mit „Ich war jung und habe das Geld gebraucht“ kommt man einfach nicht mehr durch), gleichzeitig leider gerade rüstig genug, dass der Fokus noch nicht ausschließlich auf der Gartenarbeit liegt. Auch was sportliche Aktivitäten angeht, ist man als früher Middle-Ager weder Fleisch noch Fisch. Man weiß es noch genau, erst vor ein paar Jahren hat man leistungsmäßig am Zenit gekratzt, doch sosehr man sich auch müht, man merkt genau, dass man dort nie mehr hinkommen wird. Der körperliche Verfall zieht seine Spur der Verwüstung so heimtückisch langsam, dass man wie in Zeitlupe versucht gegenzusteuern. Vergeblich. Es geht sukzessive bergab. Punkt. Bevor das hier allzu traurig endet – die Vierzig haben schon auch ihre Vorteile: Man ist sozial isoliert, sexuell im Niemandsland, körperlich auf dem Boden. Glauben Sie mir, das hat schon fast wieder was.

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