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Cargo Bikes: Tragende Rollen

Packesel, Stadttransporter, nachhaltiger Lifestyle. Cargo Bikes aus Holland oder Dänemark sind alles zugleich. Dazu ganz schön praktisch und wendiger, als man denkt.

Ein paar Meter zumindest trennen sie fast immer: Das, was man braucht oder will, und den Ort, an dem man selbst gerade ist. Zwischen der Blumenerde für die Tomaten und dem Balkon, auf dem sie wachsen sollen, zwischen dem Bierfass und den Freunden, die es leeren möchten, liegen Wege. Beschwerliche oft, für die zwei Beine und Arme zu wenig sind. Und vier Räder, die im Stau stehen – auch nicht sinnvoll. Die Dänen, die Schlauen, transportieren längst mit dem Fahrrad viel mehr als nur den Fahrer, mit Ladeflächen zwischen Lenksäule und Vorderrad, so groß und praktisch, dass einheimische Packlträger und Fahrradkörbe eingeschüchtert zu klappern beginnen. „Long John“ heißt die dänische Radlegende, die ölig-schmierigen Industriecharme großzügig verbreitet wie früher die Lokomotive ihren Dampf. Da wird sie visuell spürbar, die Maloche. Seit den 1920er-Jahren bewegt das Lastenrad brav die Dinge quer durch Dänemark, auch die schweren. Lange Zeit, weil die Menschen nicht anders konnten, aus ökonomischen Gründen. Heute fahren sie die Menschen, weil sie nichts anderes wollen. Vor allem dort, wo die Spuren, Streifen und auch das Lächeln für Fahrradfahrer ein wenig breiter sind als anderswo. Mit Klassikern wie dem dänischen „Christiania Bike“, dem legendären zweispurigen Dreiradler mit der großen Kiste, oder dem holländischen „Bakfiets“ sind die Topfpflanzen, Kommoden und Gitarrenverstärker durch Amsterdam und Kopenhagen unterwegs. Und so werden auch die Kinder durch die Stadt manövriert. In den letzten 100 Transportjahren wurden mit den sozialen Verhältnissen allmählich die Designs und Farben freundlicher. Leichter sind die Rahmen, dank Aluminium. Schwerer die Lasten, die man heute den Rädern aufbürden darf. Bis zu 100 Kilo Last und mehr werden manchen Modellen zugemutet. Schön, wenn dann wie etwa beim holländischen „Urban Arrow“ ein braver Elektromotor ein bisschen mitkurbelt.

Machtablöse. Die Cargo-Bikes sägen an der letzten Legitimation der Autodiktatur in den Städten, dem Koffer- und Laderaum. In Österreich sieht man sie trotzdem erst vereinzelt, außer man trifft zufällig auf die „Heavy Pedals“ in Wien, den Lastenrad-Botendienst, der auch mit Klassikern à la „Long John“ durch die Stadt flitzt, aber auch mit dem „Nihola“, handgemacht, zweispurig und natürlich dänisch. Ebenso „straight from Copenhagen“, so der Werbeclaim, kommen die „Bullitt“-Modelle vom Hersteller „Larry vs Harry“, die das Malochenschwarz endgültig pink, grellgrün und himmelblau übertünchen. Und damit auch das Image der Lastenräder neu färben – aus Tretlokomotiven werden schicke Stadtlastenflitzer. Designer-Däne Bjarke Ingels, Shootingstar aus Kopenhagen, gestaltet mit dem Kollektiv „Kibisi“ ebenfalls Fahrräder – für Puma. Die heißen dann entweder so wie seine Heimatstadt oder sind so sportlich-praktisch wie „Mopion“, die Kreuzung aus City- und Cargo-Bike. Den etwas kleineren Dingen des Lebens, die nicht in den Rucksack passen, widmet sich auch „Dutch-ID“, ein neuer holländischer Stadttransporter.

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