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Gas: Anbieterwechsel zahlt sich oft aus

(c) EPA (-)

Österreichs Gasanbieter erhöhten ihre Preise zuletzt um bis zu 20 Prozent. Ein Anbieterwechsel kann die Kosten um bis zu zehn Prozent senken.

Wien. Das Ende der Heizsaison haben viele heimische Gasversorger gut genutzt, um klammheimlich ihre Preise kräftig anzuheben. Zwischen sieben und zwanzig Prozent müssen Haushaltskunden bei einigen Versorgern heute mehr für Erdgas bezahlen als noch zu Beginn des Jahres.

Dass die Energieunternehmen das erstens so unbehelligt und zweitens nahezu im Gleichschritt tun können, liegt zu einem Teil auch an den Konsumenten selbst. Denn anders als bei Handys, Benzin oder gar Strom schauen sich die wenigsten Gaskunden in Österreich nach dem billigsten Anbieter um.

Vor zehn Jahren wurde der heimische Gasmarkt geöffnet. Doch immer noch sind nach Angaben der Regulierungsbehörde E-Control 94 Prozent der 1,3 Millionen Gaskunden ihrem angestammten Landesversorger treu geblieben.

Diese falsch verstandene Treue kostet freilich bares Geld. Denn die ehemaligen Monopolisten sind in den meisten Fällen deutlich teurer als die junge Konkurrenz. Um bis zu zehn Prozent könnten die meisten Österreicher ihre Gasrechnung schlagartig verringern, wenn sie ab und zu Preise verglichen und Anbieter wechselten.

Angestammte Versorger teurer

Um den jeweils billigsten Lieferanten zu finden, empfiehlt sich ein Blick in den Tarifkalkulator auf der Homepage der E-Control (siehe Internethinweis). In nahezu allen Bundesländern gibt es demnach gute Gründe, dem Landesversorger den Rücken zu kehren. Die Ausnahme bilden Vorarlberg oder Tirol. Dorthin hat sich nämlich auch zehn Jahre nach der Marktöffnung noch kein Konkurrent gewagt.

Die günstigsten Angebote beinhalten meist auch einen einmaligen Neukundenrabatt. Die höchsten Einsparungen können Konsumenten demnach dann lukrieren, wenn sie jedes Jahr zum jeweils billigsten Anbieter (inklusive Neukundenrabatt) wechseln. Wer das nicht möchte, sollte den Rabatt bei der Suche ausgeblendet lassen. Sorgen, nach einem Anbieterwechsel plötzlich ohne Gas dazustehen, muss kein Kunde haben. Seit Anfang Mai sind die Versorger verpflichtet, den gesamten Wechselprozess innerhalb von drei Wochen zu erledigen. Bis der neue Lieferant die Arbeit aufnimmt, läuft die Versorgung über den alten Anbieter normal weiter.

Danach flattern meist zwei Rechnungen ins Haus. Denn die Netzgebühr muss der Kunde auch weiterhin an den angestammten Netzbetreiber bezahlen.

Auch gegen die jüngsten Gaspreiserhöhungen können die Kunden noch etwas unternehmen. Denn jeder Lieferant ist gesetzlich verpflichtet, geplante Preiserhöhungen im Vorhinein schriftlich bekannt zu geben. Der Konsument hat dann die Chance, dieser Preiserhöhung innerhalb einer Frist von zwei Wochen zu widersprechen. In dem Fall endet der Liefervertrag mit dem bisherigen Anbieter spätestens nach drei Monaten. Bis dahin gelten für den Konsumenten weiterhin die alten, günstigeren Preise.

Entscheidend ist, diese drei Monate tatsächlich für die Suche nach einem neuen Anbieter zu nutzen. Spätestens nach zwei Monaten sollte ein neuer Lieferant gefunden sein, denn drei Wochen nimmt der Wechsel in Anspruch. Wer die gesamte Zeit ungenutzt verstreichen lässt, läuft Gefahr, nach drei Monaten tatsächlich ohne Gaslieferant dazustehen.

Einspruch gegen Preiserhöhung

Gerade in Zeiten wie diesen, wenn viele Unternehmen ihre Preise erhöhen, empfiehlt es sich bei einem Wechsel, auch beim neuen Wunschanbieter nachzufragen, ob in naher Zukunft Preiserhöhungen geplant sind. „Es gibt Fälle, in denen der neue Lieferant innerhalb der dreiwöchigen Frist den Gaspreis erhöht hat“, betont Michael Schmölzer, Gasexperte bei der E-Control.

Der beste Weg, um die eigene Gasrechnung zu verringern, ist freilich ein bewussterer Umgang mit Energie. Schon wer sich vorstellen kann, mit einem Grad weniger Raumtemperatur auszukommen, kann seine Energiekosten mit diesem Schritt um fünf Prozent verringern.

Was Sie beachten sollten bei... Erdgas

Tipp 1

Anbieter wechseln. Ein regelmäßiger Preisvergleich der Lieferanten lohnt sich. Einen Überblick über die jeweils billigsten Anbieter im Bundesland bietet der Tarifkalkulator der E-Control im Internet unter www.e-control.at. Der Wechsel geht in drei Wochen über die Bühne. Bis dahin beliefert der alte Anbieter den Wechselwilligen mit Gas.

Tipp 2

Preiserhöhung bekämpfen. Auch die jüngsten Preiserhöhungen muss kein Kunde einfach hinnehmen. Jeder Anbieter muss Preiserhöhungen im Voraus schriftlich ankündigen. Stimmt der Kunde der Erhöhung nicht zu, endet das Vertragsverhältnis nach drei Monaten. Bis dahin bezahlt der Kunde weiterhin den alten, günstigeren Tarif.

Tipp 3

Energie sparen. Der beste Weg, weniger Geld für Gas auszugeben, ist schlicht weniger zu verbrauchen. Schon wer die Raumtemperatur konstant um ein Grad senkt, spart fünf Prozent der Energiekosten. Weitere Tipps rund um das Thema Energieeffizienz bei Strom, Gas und Transport bietet im Internet der Energiesparcheck der E-Control.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.06.2011)