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Jemen: Tausende Stammeskämpfer marschieren auf Sanaa

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Die Gefechte zwischen Armee und Oppositionellen werden immer heftiger, der Flughafen musste schließen. Seit Tagen stehen sich in der Hauptstadt Sanaa Armee und Kämpfer des Scheichs Sadik al-Ahmar gegenüber.

Sanaa/Reuters. Der Aufstand im Jemen gegen die Herrschaft von Präsident Ali Abdullah Saleh nimmt immer stärkere Züge eines Bürgerkriegs an: Am Donnerstag marschierten tausende Stammeskämpfer auf die Hauptstadt Sanaa, um in die Gefechte einzugreifen. Seit Tagen stehen sich dort Armee und Kämpfer des Scheichs Sadik al-Ahmar gegenüber. Al-Ahmar, einer der einflussreichsten Stammesführer des Landes, wird immer mehr zu einer zentralen Figur der Opposition.

Die Verstärkung seiner Kämpfer wurde zunächst an einer Absperrung der Armee etwa 15 Kilometer vor Sanaa aufgehalten, es kam zu ersten Gefechten. Auch in der Hauptstadt wurde weitergekämpft. Die bewaffneten Auseinandersetzungen verlagerten sich am Donnerstag in Richtung Flughafen, der deshalb gesperrt werden musste. Dies verzögert die Evakuierungen ausländischer Botschaften, die in vollem Gang sind. Mittlerweile ziehen sich auch die diplomatischen Vertreter von Ländern des Golf-Kooperationsrats wie Katar oder Kuwait zurück, der mehrmals erfolglos versucht hat, ein Abkommen zur friedlichen Machtübergabe auszuhandeln.

Die Demonstrationen gegen den seit 33 Jahren herrschenden Saleh hatten bereits im Jänner begonnen. Je mehr Diplomaten, Militärs und Stammesvertreter von Saleh abfielen, desto brutaler ging er mit dem Rest der ihm loyalen Sicherheitskräfte gegen die Opposition vor. Zuletzt setzte er sogar die Luftwaffe ein. Es dürfte bereits mehrere hundert Todesopfer gegeben haben, genaue Zahlen sind jedoch kaum zu bekommen.

 

Saleh stellt Deal in Aussicht

In der Stadt Taiz, wo seit Sonntag bereits mindestens 50 Menschen von Sicherheitskräften erschossen wurden, feuerten Soldaten am Donnerstag erneut auf Demonstranten. Präsident Saleh machte derweil Ankündigungen, er könnte den vom Golf-Kooperationsrat vermittelten Deal doch noch unterzeichnen, doch das hat er bereits so oft in Aussicht gestellt, dass kaum jemand daran noch glaubt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.06.2011)