Salzburg nützt seine österliche Chance

Kommt Christian Thielemann mit der Dresdner Staatskapelle, ist endlich wieder Opernkompetenz gegeben.

Falls die Berliner Philharmoniker mit ihrem scheinbar spontanen Rückzug von den Osterfestspielen beabsichtigt hatten, Salzburg Schaden zuzufügen, dann ist das in die Hose gegangen. An dieser Stelle ist der Vertragsbruch als „Chance für die Osterfestspiele“ bezeichnet worden, eine der möglichen Zukunftsvisionen gleich inbegriffen: Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden könnten dem einst von Karajan entwickelten Festspielgedanken wieder Leben einhauchen – ein charismatischer Dirigent als Spiritus Rector einer ganz auf Musik konzentrierten Festspielwoche. In Wahrheit ist Thielemann in seiner Generation der einzige Künstler, dem zuzutrauen ist, die Klientel aus dem deutschen Sprachraum – aus diesem rekrutiert sich der Löwenanteil der „Förderer“ – bei der Stange zu halten.

Man pilgert zu seinen Auftritten. Die Mitarbeiter der Vorverkaufskassen können ein Lied davon singen, was es heißt, wenn – wie Herbst 2011 – Wagners „Ring“ unter Thielemann an der Wiener Staatsoper avisiert ist: Man könnte die Vorstellungen fünf Mal verkaufen! Im Gegenzug haben die Salzburger Osterfestspiele mit der ererbten Konstellation Berliner Philharmoniker/Simon Rattle zuletzt wenig Glück gehabt. Von der 100-prozentigen Auslastung der Karajan-Ära war man meilenweit entfernt. Ich lasse mich gern nach Vorverkaufsbeginn an meine Prophetie erinnern: Wenn Thielemann mit den (sowohl im Konzert als auch in der Oper firmen) Dresdnern die künstlerische Gestaltung übernimmt, weist das Verkaufsbarometer rasch wieder steil nach oben...

 

E-Mails an: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2011)