Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Adamovich hat zum Fall Kampusch "einiges zu sagen"

Adamovich Kampusch
Archivbild: Ludwig Adomovich mit einem ersten Zwischenbericht zur Causa Kampusch(c) REUTERS (Herbert Neubauer)
  • Drucken

Der frühere Spitzenjurist wird in Innsbruck zur Causa Kampusch befragt. Das Verfahren gegen fünf Staatsanwälte sieht er dort "in guten Händen". Ihnen wird Amtsmissbrauch vorgeworfen.

Seit Herbst 2010 laufen in Innsbruck Ermittlungen gegen fünf Staatsanwälte wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs in der Causa Natascha Kampusch, am Montag hat der frühere Präsident des Verfassungsgerichtshofs (VfGH), Ludwig Adamovich, ausgesagt. Er sehe das Verfahren dort "in guten Händen", erklärte er am Rande der Befragung durch Ermittlungsrichter Georg Putz in Innsbruck. Man sei bis dato den Sachverhalt "chronologisch durchgegangen", meinte der frühere Spitzenjurist. Am Montagnachmittag werde er zu Kampuschs Buch "3096 Tage" "einiges zu sagen" haben.

Auf die Frage, ob im Zuge des Verfahrens auch die Chance bestünde, den Fall im Hinblick auf eine mögliche Mittäterschaft neu aufzurollen, sagte Adamovich: "Da muss man abwarten. Jetzt ist hier einmal ein Verfahren anhängig. Aber Chancen gibt's immer".

Er "vermute fest", dass seine Einvernahme am Landesgericht Innsbruck noch heute abgeschlossen werden könne, meinte Adamovich außerdem. Mehr wollte er dazu nicht preisgeben.

"Ermittlungsergebnisse vernachlässigt"

Ermittlungsrichter Georg Putz sagte vor Beginn der Befragung, dass in dieser Woche keine weiteren Zeugenbefragungen anstünden. Für die Einvernahmen der fünf Staatsanwälte sei vorerst noch kein Termin fixiert worden. Weil es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handle, könne er inhaltlich nichts dazu sagen, betonte der Ermittlungsrichter.

Am 26. und 27. Mai war bereits Johann Rzeszut, der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtshofes, am Innsbrucker Landesgericht befragt worden. Er wollte sich inhaltlich nicht äußern, sondern erklärte lediglich, dass er seinem Schreiben an das Parlament "nichts hinzuzufügen" habe. In seiner "Sachverhaltsmitteilung" hatte Rzeszut, der der vom Innenministerium eingesetzten Evaluierungskommission zum Entführungsfall Natascha Kampusch angehörte, den mit der Causa betrauten Staatsanwälten unter anderem vorgeworfen, sie hätten "konsequent und beharrlich entscheidende polizeiliche Ermittlungsergebnisse vernachlässigt".

Im Ermittlungsverfahren soll nun geklärt werden, ob es im Fall Kampusch zu schuldhaften Pflichtverletzungen durch Staatsanwälte gekommen ist. Aufgabe der Staatsanwaltschaft Innsbruck sei es nicht, das Kampusch-Verfahren neu aufzurollen, hatte Hansjörg Mayr, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, erklärt.

Achteinhalb Jahre in Gefangenschaft

Am 2. März 1998 war Natascha Kampusch auf ihrem Schulweg in Wien von Wolfgang Priklopil entführt worden. Rund achteinhalb Jahre wurde sie im Keller des Mannes in einem Haus im niederösterreichischen Strasshof gefangen gehalten, bevor sie als junge Frau in einem unbeobachteten Moment flüchten konnte. Ihr Verschwinden zählt zu den spektakulärsten Fällen der Kriminalgeschichte Europas. Über kaum einen anderen Fall gibt es so viele Gerüchte. So wird nach wie vor darüber spekuliert, ob Priklopil tatsächlich ein Einzeltäter war, wie alle bisherigen Ermittlungen ergeben haben.

(APA)