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Astrobiologie: Harte Zweifel an Arsenbakterien

(c) Science/ Henry Bortman
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Eine völlig neue Lebensform wollten Nasa-Forscher letztes Jahr entdeckt haben. Zweifel gab es früh, weil die Forscher überhaupt nicht gezeigt hatten, dass das Arsen wirklich in den Biomolekülen ist.

Sie waren eine Jahrhundertsensation, die Bakterien, die letzten Herbst in einem extrem arsenhaltigen See in den USA gefunden wurden und bald in Science standen (2.12.). Denn sie lebten nicht nur im Gift, sondern sie lebten vom Gift: Sie bauten Biomoleküle wie DNA nicht auf der Basis von Phosphor (Phosphat), wie das alle anderen bekannten Lebewesen tun. Sondern auf der von Arsen (Arsenat). So sahen es wenigstens die Entdecker um Nasa-Astrobiologin Felisa Wolfe-Simon, der Hype war noch ohrenbetäubender als der um den Marsmeteor, auf dem 1996 Spuren von Bakterien entdeckt worden waren – oder wenigstens etwas, was so aussah. Nun ging es wieder um außerirdisches Leben, aber in einer ganz anderen Dimension: Leben eines neuen Typs.

Zweifel gab es früh, vor allem deshalb, weil die Forscher überhaupt nicht gezeigt hatten, dass das Arsen wirklich in den Biomolekülen ist. Sie hatten es nur in den Bakterien nachgewiesen, und dort ist es nichts Besonderes: Viele Bakterien lagern Gifte, die sie aus der Umwelt aufnehmen, irgendwo ein. Die Zweifel mehrten sich, als Wolfe-Simon die Auseinandersetzung mit dem Argument verweigerte, ihre Arbeit sei schließlich von Science begutachtet („peer-reviewed“) worden, das mögen die Kritiker mit ihren Einwänden zunächst auch tun.

Nun haben sie es (fast) getan, gleich zwölf Leserbriefe sind bei Science eingegangen (27.5.), die gesamte Zunft steht gegen Wolfe-Simon, und die Einwände kommen auf allen Ebenen: Das beginnt mit den Grundlagen der Chemie – Arsenat ist zwar Phosphat strukturell ähnlich, aber sehr instabil, eine hypothetische Arsen-DNA würde nach einer Minute ihre Funktion einstellen, kalkuliert Steven Brenner – und endet beim zentralen Experiment: Wolfe-Simon hatte die Bakterien in eine Nährlösung gegeben, die (angeblich) kein Phosphat, sondern nur Arsenat enthielt, und sie gediehen doch.

 

Verunreinigte Nährlösung

Aber in der Nährlösung war auch Phosphat, als Verunreinigung und in Konzentrationen, von denen andere Bakterien leben können. Zudem ist unklar, wie viel Arsenat wirklich in den Bakterien war: Die von Felisa Wolfe-Simon angegebene Fehlergrenze ist größer als der von ihr gemessene Wert. Und so weiter: „Außerhalb ihres Labors habe ich niemanden gefunden, der die Arbeit unterstützt“, urteilt Bary Rosen (Florida). Da hilft auch Wolfe-Simons Friedensangebot nichts: Sie will die Bakterien allen Interessierten zur Verfügung stellen. Aber niemand interessiert sich, niemand will seine bzw. die Zeit von Doktoranden verschwenden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2011)