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Weltwirtschaftsforum: Jagd nach neuen Märkten

(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Außenminister Spindelegger lädt am Mittwoch zum WEF-Regionalforum nach Wien, als Türöffner für Unternehmen nach Zentralasien und ans Schwarze Meer. 13 Staats- und Regierungschefs nehmen an dem Treffen teil.

Wien. Michael Spindelegger sei „weitgehend darauf konzentriert, das Vordringen der österreichischen Wirtschaft zu befördern“, hieß es in einer Depesche der US-Botschaft, die Ende des Vorjahres von „WikiLeaks“ an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Eine „Enthüllung“ war das schon damals nicht wirklich; Österreichs Außenminister fasste die Zuschreibung prompt als Kompliment auf.

Wie zutreffend die Charakterisierung Spindeleggers als Türöffner für die österreichische Wirtschaft ist, zeigt das „World Economic Forum zu Europa und Zentralasien“, das ab Mittwoch in der Wiener Hofburg stattfindet. Das Treffen geht auf eine Initiative des Außenministers vor 18 Monaten zurück, wie er selbst am Montag bei einer Pressekonferenz im Wiener Außenamt nicht ohne Stolz erklärt hat. Die Schwerpunkte der Veranstaltung, nämlich die Auslotung der Perspektiven für die Schwarzmeer-Region, den Kaukasus und Zentralasien, liege auf einer Linie mit den Prioritäten der österreichischen Außenpolitik. „Wir wollen neue Märkte, wir wollen, dass unsere Unternehmen in dieser Region erfolgreich sind“, sagte Spindelegger. Karl Aiginger, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, sekundierte mit einer Studie. Die Schwarzmeer-Region sei einer der „Hotspots“ der weltweiten Wirtschaftsdynamik. In der Türkei, der Ukraine, in Armenien, Aserbaidschan und Georgien sei die Wirtschaft 2010 um durchschnittlich 6,9 Prozent gewachsen.

Die zentralasiatischen Staaten sind da nicht einberechnet. Eine besondere Aktivität entfaltete zuletzt das autoritär regierte Kasachstan. Wirtschaftsminister Kairat Kelimbetow ist neben Sir Michael Rake, dem Chef der British Telecom, sowie dem russischen Sberbank-Boss Herman Gref und SAP-Manager Jim Hageman Snabe auch einer der Ko-Vorsitzenden des WEF-Regionalforums in Wien.

Nicht nur der Aufwand, auch das Interesse ist beträchtlich. Nicht weniger als 13 Staats- und Regierungschefs sowie 150 Spitzenmanager internationaler Unternehmen nehmen an dem Treffen teil.

 

Zwei Demos am Dienstag

Rund um den Konferenzort Hofburg herrscht ab Mittwoch, 8. Juni, höchste Sicherheitsstufe: Ab 18 Uhr ist der Michaelerplatz, die Reitschulgasse, der Josefsplatz und ein Teil des Heldenplatzes völlig abgeriegelt, es gilt Betretungsverbot. Bei Nichtbefolgung droht eine Geldstrafe von bis zu 360 Euro. Wie lange das Verbot bestehen bleiben wird, stehe noch nicht fest, sagt Polizeisprecher Roman Hahslinger. Auch der Luftraum über ganz Wien wird gesichert; das Bundesheer setzt dazu 18 bewaffnete Flugzeuge – darunter sechs Eurofighter – ein.

Unterdessen sind zwei Kundgebungen von Globalisierungskritikern angekündigt worden, beide am Dienstag. Am Yppenplatz in Ottakring werden ab 15 Uhr rund 1000 Demonstranten erwartet, die anschließend Richtung Christian-Broda-Platz marschieren werden. Die zweite Demo findet ab 18 Uhr im Weghuberpark (Neubau) statt.

Freuen dürften sich die Luxushotels: Das Imperial und Bristol sind ausgebucht, auch das Hotel Sacher, in dem viele der Teilnehmer übernachten, ist ausgelastet.

Auf einen Blick

Zum Weltwirtschaftsforum in Wien werden 13 Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter die Präsidenten Kirgisistans, Tadschikistans und Sloweniens sowie die Premiers der Ukraine, Armeniens, Moldawiens, Montenegros, Ungarns und Lettlands.


http://www.weforum.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2011)