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Sberbank bietet 750 Millionen für Volksbanken-Tochter

(c) EPA (MAXIM SHIPENKOV)
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Der Chef der russischen Sberbank, German Gref, legt heute in Wien sein letztes Angebot für die Osteuropa-Tochter der Volksbanken vor. Die Volksbanken dürften weniger Geld bekommen als erhofft.

Moskau. Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) dürfte aus dem Verkauf ihres osteuropäischen Tochternetzes Volksbank International (VBI) an die russische Staatsbank Sberbank weitaus weniger erlösen als bisher angenommen. Wie „Die Presse“ aus zwei russischen Quellen, die dem Sberbank-Management nahestehen, erfahren hat, verhandeln die Russen derzeit einen Gesamtkaufpreis zwischen 700 und 750 Mio. Euro. Sberbank-Chef German Gref werde bei der für heute, Dienstag, in Wien angesetzten Verhandlungsrunde das letzte Angebot auf den Tisch legen.

Die Entscheidung liege dann bei den Wienern. Bei der Sberbank wollte man dies auf Anfrage nicht kommentieren, bestätigt wurde aber, dass Gref ab Dienstag in Wien sei. Die ÖVAG nahm dazu nicht Stellung. Vonseiten der potenziellen Käufer war bisher der mit 1,1 bis 1,2 Mrd. Euro angegebene Buchwert der VBI als Richtlinie für den Kaufpreis angegeben worden. Dass es nun um mindestens 30 Prozent weniger werden könnten, wird damit erklärt, dass die angeschlagene rumänische ÖVAG-Tochter VB Rumänien aus dem Verkaufspaket ausgenommen werde. Angeblich hat die ÖVAG dieser Konstruktion schon prinzipiell zugestimmt.

Seitens der Sberbank war man von Anfang an skeptisch gegenüber der rumänischen Tochter gewesen, weil der Markt nicht sehr liquide und das Finanzsystem schwach entwickelt sei. Keine unbedeutende Rolle dürfte aber auch das schlechte bilaterale Verhältnis zwischen Russland und Rumänien spielen, weshalb auch die rumänische Zentralbank gegenüber dem Einstieg der Russen skeptisch war.


ÖVAG muss heuer Schulden tilgen
Sollte der Deal zwischen der Sberbank, an der die russische Zentralbank die Mehrheit hält, und der ÖVAG tatsächlich ohne Rumänien stattfinden, käme dies einer großen Desillusionierung gleich. Die ÖVAG nämlich, die 51 Prozent an der zum Verkauf stehenden VBI hält, würde unter dem Strich gerade einmal 350 bis 375 Mio. Euro lukrieren. Dabei hatte die ÖVAG, die dem Staat eine Mrd. Euro Partizipationskapital schuldet, ursprünglich gehofft, einen Großteil der Schulden durch den Verkauf der VBI begleichen zu können. Die erste Tranche muss noch heuer zurückgezahlt werden, die weiteren Tranchen sind 2014 und 2018 fällig. Nach einem Verlust von 944 Mio. Euro im Jahr 2009 ist die ÖVAG im Vorjahr in die Gewinnzone zurückgekehrt und hat offenbar die Trendwende geschafft. Für heuer peilt sie einen Vorsteuergewinn von über 100 Mio. Euro an.

Für die Sberbank, die etwa 30 Prozent der Bilanzsumme des russischen Marktes abdeckt, ist die Expansion im Ausland der historische Schritt, sich ein neues Standbein neben dem stark staatlich monopolisierten Inlandsmarkt aufzubauen. Im Jahr 2015 will das Geldinstitut fünf Prozent des Konzernumsatzes im Ausland generieren. Dass man mit dem Volksbankennetz in Osteuropa startet, gilt dem Vernehmen nach als Versuchsballon und als Chance, einen möglichst vielschichtigen Einblick in den europäischen Bankenmarkt zu erhalten.

 

Erste „universelle“ russische Bank

Zu Hause will die Sberbank, die 240.000Mitarbeiter zählt, nicht nur den Markt für Finanzierung im Privatkundengeschäft aufmischen. Mit dem Kauf der Investmentbank Troika Dialog vor zwei Wochen hat der Platzhirsch, der im Vorjahr 181 Mrd. Rubel (etwa 4,5 Mrd. Euro) Gewinn geschrieben hat, soeben auch den Schritt ins Investmentbanking gesetzt und gilt nun als erste tatsächlich universelle russische Bank. Im ersten Quartal 2011 wurde der Gewinn auf 86,8 Mrd. Rubel gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Noch im laufenden Jahr sollen 7,6 Prozent der Bank privatisiert werden. Derzeit befinden sich knapp 40Prozent der Bank im Streubesitz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2011)