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Der unheilbare Optimist Michael J. Fox wird 50

(c) AP (MANUEL BALCE CENETA)
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Seit 20 Jahren leidet Schauspieler Michael J. Fox an Parkinson, längst ist die Krankheit zu seinem Beruf geworden. In seine Karriere legte er mehr Energie als so manch anderer. Übermorgen wird er 50 Jahre alt.

Anfangs wollte er es überspielen, bei Interviews ging er deshalb ständig auf und ab. „Nervöse Diva“, stand dann im Artikel. Es gibt wenige Zuschreibungen, die Michael J. Fox wohl weniger charakterisieren. Den besten Titel hat sich der an Parkinson erkrankte Schauspieler selbst verpasst, mit seinem im Vorjahr erschienen Buch „Always Looking Up“. Schon das ist nicht nur ein Motto („immer nach oben schauen“), sondern auch ein Hinweis auf den Humor des 1,62 Meter kleinen Schauspielers. Der Untertitel dazu: Die Abenteuer eines unheilbaren Optimisten.

Ein Optimist war Fox, der am 9.Juni 50 wird, wohl immer. Mit 18 zum Beispiel, als er nach der Highschool im kanadischen Vancouver mit einer Green Card nach Hollywood aufbrach, um Schauspieler zu werden, obwohl er in der Schule durch die Drama-Prüfung gefallen war. Ein bisschen Erfahrung hatte er immerhin schon: Mit 15 hatte er in einem Fernsehfilm einen Zehnjährigen gespielt. Michael J. Fox sah immer jünger aus, als er war.

In seine Karriere legte er trotzdem mehr Energie als so manch anderer. Als hätte er damals schon gewusst, dass er weniger Zeit haben würde als Kollegen. Mit der Serie „Family Ties“, in der er den republikanischen Sohn eines Erzlinken spielte, feierte er erste Erfolge, als immer jugendlicher „Marty McFly“ in der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie den Durchbruch als Ikone der Achtziger. Dabei hatte Steven Spielberg seinen Part zunächst anders besetzt, war dann aber auf Fox verfallen.

1991, bei den Dreharbeiten zu „Doc Hollywood“, spürte der damals 29-Jährige erstmals Tremorsymptome im linken kleinen Finger, dachte an eine Verletzung. Die Diagnose: Parkinson. Eine Nervenkrankheit, die nicht nur Fox mit älteren Patienten assoziiert hatte. Fast acht Jahre hielt er die Erkrankung geheim. Bis es nicht mehr ging, dann lud er das „People“-Magazin zum Interview. Wenig später, im Jahr 2000 und damit früher als geplant, gab er seinen Rückzug aus der New Yorker Rathausserie „Chaos City“ und dem Filmgeschäft bekannt. Weil er die Energie, die ihm blieb, seiner Familie widmen wollte. Und seiner neuen Rolle: jener als Aktivist im Kampf gegen das Leiden. „Akzeptieren ja, aufgeben nein“ scheint sein Grundsatz.

Zu dem freilich auch ein Optimist wie er nicht ganz friktionsfrei gekommen war. Schon zuvor habe er zu viel getrunken, war ein wenig zu forsch auf der Überholspur unterwegs gewesen, sagte er in einem Interview. „Aber die Diagnose hat mich zu einem noch größeren Idioten gemacht.“ Alkohol, Depression, Schmerzen hätten ihn von seiner Familie entfernt. Er schlug hart am Boden auf und schaffte den Richtungswechsel mithilfe der Anonymen Alkoholiker und seiner Frau. Tracy Pollan hatte er in „Family Ties“ kennengelernt, seit 1988 sind die beiden verheiratet, Fox bezeichnet sie als seinen „Felsen.“ Vier Kinder hat das Paar, deren Hochzeit will er noch miterleben.


Mit seiner Parkinson-Stiftung hat er inzwischen mehr als 200 Millionen Dollar für die Forschung aufgetrieben. Große Hoffnung setzt er auf die Stammzelltherapie, in der Vergangenheit hat er deshalb zwangsläufig die US-Demokraten unterstützt. Immer wieder nimmt er auch Gastrollen an, zuletzt etwa in der Serie „Good Wife“ als – anders geht es wohl gar nicht mehr – Anwalt mit Nervenkrankheit. Mittlerweile bezeichnet er Parkinson gar als „Geschenk“, weil es ihn gelehrt habe, den Moment zu leben. Außerdem habe er mit 40 – und Parkinson – mit Golf begonnen. Fox: „Wenn das kein Optimismus ist.“

Zur Person

Michael J. Fox wurde am 9. Juni 1961 in Edmonton, Kanada, geboren. Mit der Spielberg-Trilogie „Zurück in die Zukunft“ wurde er zum Gesicht der Achtziger. 2000 gab er das Ende seiner Karriere bekannt, weil er zu sehr unter den Symptomen seiner Parkinson-Erkrankung leide. Mit seiner Stiftung hat er bisher rund 200 Millionen Dollar für die Forschung lukriert. Im Februar erhielt er in Berlin die Goldene Kamera für sein Lebenswerk.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2011)

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