Ukraine: Ein Land in der „Körndlkrise“

(c) Mariluna
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Aus Mangel an der beliebten Beilage „Gretschka“, Buchweizen, kaufte die Regierung Körner aus China, dies offenbar zu einem Wucherpreis bei schlechter Qualität.

Kiew. Geht erst einmal die „Gretschka“ aus, muss es wirklich schlecht um die Ukraine stehen. Buchweizen, das kleine braune Korn in Pyramidenform, ist vielleicht die beliebteste Beilage auf ukrainischen Tellern, ähnlich wie auf russischen und weißrussischen.

Den Bioladen-Beigeschmack, den sie in Österreich haben mag, spürt man in der Ukraine nicht: Gretschka ist billig und omnipräsent. Steigt ihr Preis oder ist sie ausverkauft, schrillen die Alarmglocken. So wie in den letzten Monaten: Der Kilopreis stieg von umgerechnet 50 bis 80 Cent auf fast 2,30 Euro. Gretschka füllt die Zeitungsseiten: Wegen der Hitzewelle 2010 sei die Ernte schlecht ausgefallen, die Lager seien geleert, las man. Lebensmittelspekulanten dürften am prophezeiten Buchweizenmangel ebenfalls gut verdient haben.

Die Regierung machte sich an die Lösung der Körndlkrise: Man kaufte Gretschka in China – jüngst kam die erste Ladung per Schiff nach Odessa. Offenbar machten die Behörden aber einen schlechten Deal: Stimmt, was man seitens der Oppositionspartei „Nationale Selbstverteidigung“ sagt, wurde mehr als das Zweifache zu viel bezahlt. Und üble Qualität geliefert.

Im März wurden die Einfuhrzölle auf Buchweizen bis Juni sistiert. Die Firma „Hleb Investstroj“ wurde von der staatlichen Lebensmittelgenossenschaft offenbar ohne Ausschreibung beauftragt, 2000 Tonnen Buchweizen in China zu kaufen. Der Normalpreis für eine Tonne sei ca. 700 Dollar, sagt die Opposition. Die China-Körner hätten 1750 Dollar/Tonne gekostet.

Bitter im Abgang

Auch mit der angekündigten Preissenkung sieht es schlecht aus: Hatte Premier Mykola Azarow einen Ladenpreis von 14 Hrywnia (1,20 €) pro Kilo für die Import-Gretschka versprochen, wird sie jetzt um 19 Hrywnia (1,60 €) verkauft. Dazu sei sie von minderer Qualität, habe unschöne Flecken und schmecke gekocht im Abgang bitter, sagen Tester. Auch für die Regierung könnte die Gretschka-Affäre noch einen bitteren Nachgeschmack haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2011)

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