Als Vater über den Vatertag zu schreiben gehört sich eigentlich nicht. Tatsächlich ist ja in weiten Bereichen der Gesellschaft noch immer 365 Tage im Jahr Vatertag. Ein extra ausgeschilderter Ehrentag für den Mann ist da eine echte Provokation. Der anachronistische und inzwischen überholte Muttertag kann immerhin als Stachel in dieser Wunde verstanden werden. Wobei ich mich nach wie vor wundere, dass in den meisten Familien die amtierende Mutter (also jene, die gerade Beruf, kleine Kinder und – ja – den Vater miteinander zu vereinbaren hat) am Muttertag noch zusätzlich die Feierlichkeiten für die keine Betreuungspflichten mehr habende, ihre wohlverdiente Pension genießende eigene Mutter (oft auch noch die des Ehemannes) ausrichten darf, anstatt einmal selbst die Beine hochlegen zu können.
Der andere Grund, nicht über den Vatertag zu schreiben, ist die eherne Ehrentagsregel „Rechte Freude macht nur Ehr, wenn sie kommt von selbst daher“. Muss man die Gratulanten nämlich rechtzeitig daran erinnern, einem die Aufwartung zu machen, bringen die pflichtschuldig erbrachten Gunstbezeugungen nur mehr die halbe Freude. Nachdem in den vergangenen Jahren der Vatertag in meiner Familie aber gar so konsequent ignoriert wurde (während die Muttertagsinszenierungen stets der Hochzeit von Kate und Willi das Wasser reichen konnten), werfe ich jetzt einmal über diesen Kanal ein Hölzl. Bis Sonntag wäre ja noch genug Zeit, zumindest für eine warme Mahlzeit zu sorgen. Ich bin gespannt. Viel habe ich nicht zu verlieren. Passiert nichts, werde ich die gesellschaftspolitische Reife meiner Söhne preisen, die als Männer neuen Typs die Falle dieses verwerflichen Ehrentags erkannt haben. Anderenfalls lasse ich mich ungeniert hochleben.