Osterinsel: Siedler auch aus Südamerika

(c) AP
  • Drucken

Ein norwegischer Forscher findet Gene, die zeigen, dass der Entdecker Thor Heyerdahl mit seinen Vermutungen, erst seien hellhäutige „Langohren“ gekommen, später dunklere „Kurzohren“ „nicht ganz Unrecht hatte“.

Erst seien hellhäutige „Langohren“ gekommen, später dunklere „Kurzohren“, diese hätten sich blutig durchgesetzt und alle anderen ins Feuer geworfen, bis auf zwei. Das reimte sich der Entdecker Thor Heyerdahl aus Legenden auf den Osterinseln zusammen, von denen eine zudem berichtete, die Ahnen stammten aus „einem gebirgigen Land im Osten, das von der Sonne verbrannt wurde“. Und dort, weit im Osten, in Peru, wurde auch eine alte Geschichte erzählt: vom Sonnengott Kon-Tiki, der mit wenigen Getreuen einem Gemetzel entkam, westwärts über das Meer. Er hatte helle Haut und lange Ohren, also hielt Heyerdahl ihn und die Seinen für die Erstbesiedler der Osterinseln, erst später seien von Asien auch die „Kurzohren“ eingewandert.
Der Abenteurer trat mit dem Floß „Kon-Tiki“ 1947 den Beweis dafür an, dass ein solches Gefährt von Peru mit Meeresströmungen nach Polynesien gelangen kann, 8000 Kilometer, Laien lasen es in Heyerdahls Büchern gern. In der Fachwelt stieß er auf Ablehnung, für sie wurde Polynesien nur ein Mal besiedelt, von Asien aus. Darauf deuten Funde, Sprachen und Gene. (Allerdings ist die exakte Herkunft ungeklärt, manches deutet auf Taiwan.)

Polynesien–Chile und retour?

Aber nun wird Heyerdahl ein wenig rehabilitiert, vom Immunologen Erik Thorsby (Uni Oslo): „Heyerdahl hatte vermutlich Unrecht, aber nicht ganz“, berichtete er auf einer Konferenz der Royal Society in London: Er hat Gene heutiger Osterinsulaner analysiert und ist bei einem – Humanes Leukozyten-Antigen, HLA – auf eine Variante gestoßen, die es nur in Südamerika gibt. Auf der Osterinsel ist sie selten, aber doch in Familien, die sich bis 1846 zurückverfolgen lassen, das ist wichtig, weil in den 1860ern peruanische Sklavenhändler auf die Insel kamen: Da waren die Gene schon da (Tissue Antigens, 73, S. 582).
Thorsby vermutet, dass sie auch 1722 schon da waren, als Europäer die Insel entdeckten. Die Amerikaner waren demnach die Zweiten nach den Asiaten, diese waren um 900 da. Aber wie sind sie aus Amerika gekommen? Und wie sind Früchte aus Amerika auf polynesische Inseln gekommen, Süßkartoffeln und Kürbisse? Dem Meerwasser hätten die Kartoffeln nicht standgehalten, sie müssen per Schiff gereist sein, vielleicht gar mit einem, das zuerst von Polynesien nach Osten fuhr. Darauf deuten alte Hühnerknochen in Südamerika (Chile), wo diese Vögel nie domestiziert wurden. Vielleicht haben Polynesier sie gebracht – und auf der Rückreise Amerikaner mitgenommen.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.