Weltraum: Heftiger Sonnensturm könnte GPS stören

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Völlig überraschend und außergewöhnlich heftig hat die Sonne eine starke Aktivität entwickelt. Die Folgen dieses "Sonnensturms" könnten auch die Erde treffen und überwältigende Nordlichter an den Himmel zaubern.

Washington/Wien. Eine außergewöhnlich heftige und völlig unerwartete Explosion auf der Sonne am Dienstag könnte Folgen für die Erde haben. Denn die elektrisch geladenen Teilchen, die die Sonne in einer „koronalen Masseneruption“ ausstieß, rasen mit einer Geschwindigkeit von 1400 Kilometern pro Sekunde durch das All, auch in Richtung Erde. Und so ein „Sonnensturm“ kann beim Aufprall auf das irdische Magnetfeld elektromagnetische Effekte erzeugen, die den Funkverkehr, den Radioempfang, die Elektrizitätsversorgung und die Elektronik stören können, vor allem an den Polen.

Am Nordpol gab es früher durch versagende Militärsatelliten gefährliche Situationen, 1973 brach in der kanadischen Provinz Quebec die Stromversorgung für sechs Millionen Menschen zusammen. Dort zeigen Sonnenstürme auch ihre überwältigenden optischen Effekte: Sie zaubern Nordlichter an den Himmel.

Diesmal war zunächst das Bild auf der Sonne überwältigend: Die Nasa-Sonde „Solar Dynamics Observatory“ dokumentierte aus der Nähe der Sonne die dreistündige Eruption. „Ich habe so etwas noch nie gesehen“, berichtete Nasa-Mitarbeiter Alex Young, „es war ziemlich spektakulär.“ Aus der Sonne stieg eine riesige Partikelwolke, teilweise sank sie zurück, teilweise wurde sie Sonnensturm. Die Nasa selbst stufte die Eruption – immerhin die gewaltigste seit 2006 – als mittelschwer ein und gab teilweise Entwarnung für die Erde: Zwar wurde das Eintreffen des Sonnensturms für Mittwochabend erwartet, aber die Eruption der Sonne war nur zu einem kleinen Teil in Richtung Erde gerichtet. Manche Experten warnen trotzdem, dass vor allem die Telekommunikationssatelliten gefährdet sind, die in 20.000 Kilometer Entfernung um die Erde kreisen und von dort das Navigationssystem GPS speisen.

„Wir müssen uns keine wirklichen Sorgen machen“, urteilt hingegen Young, „es ist einfach nur wunderbar.“ Erst auf der Sonne und dann in der Erdatmosphäre: Bei einem schweren Sonnensturm 1958 tauchten selbst über Mexiko Polarlichter auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2011)

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