„Macht dann 27 Schilling, bitte“

Ein-Euro-Shop. In Floridsdorf kann man noch mit Schilling zahlen.

Wien. Eine Plastikblume kostet sieben Schilling, ein Schwamm ist für zehn Schilling zu haben, und für einen Stapel Pappbecher zahlt man 28 Schilling. Nein, das ist keine Bestandsaufnahme aus längst vergangenen Tagen, sondern gelebte Realität in einem kleinen Geschäft am Floridsdorfer Spitz. Ausgerechnet in einem „Ein-Euro-Shop“ hat man sich dafür entschieden, auch Schilling als Währung zu akzeptieren.

„Mein Mann hat einmal gelesen, dass eine Million Schilling in Sparschweinen, Gurkengläsern oder unter Matratzen gelagert werden. Also haben wir uns gedacht, es wäre doch eine Idee, wenn die Leute bei uns mit Schilling zahlen können“, sagt Yeremeina Shahgholi, die mit ihrem Mann Abraham Mossessian das Geschäft führt. Und es dürfte sich gelohnt haben. Eine Million Schilling wurde zwar noch nicht in den Shop getragen. Es kommen aber wöchentlich Menschen, die die alte Währung in Geschenk- oder Haushaltsartikel wechseln wollen. Einmal pro Woche geht Frau Shahgholi zur Nationalbank, um die historischen Scheine umzutauschen.

Kein Wechselgeld

Wechselgeld in Schilling gibt es im Ein-Euro-Shop nicht. Wer die Summe nicht genau hat, bekommt einen Gutschein in Euro. Damit alles seine Ordnung hat, ist der Wechselkurs mit 13,7603 Schilling für einen Euro gut sichtbar auf einem orangefarbenen Plakat beim Eingang angebracht.

„Oft kommen Leute mit mehreren tausend Schilling“, sagt die gebürtige Iranerin. Stolz zeigt sie eine alte Ledergeldbörse in der sie die Scheine sammelt. Tatsächlich lacht einem hier seltener ein 20-Schilling-Schein mit dem Porträt von Moritz Michael Daffinger entgegen als der grüne Hunderter mit Eugen Böhm von Bawerk oder gar der alte Erwin-Schrödinger-Tausender. Praktischerweise müssen die Schillingbesitzer dann ob der kleinen Preise im Ein-Euro-Shop doch öfter kommen, um ihre Gutschrift aufzubrauchen.

Damit Frau Shahgholi bei der Gültigkeit der alten Geldscheine immer auf dem aktuellsten Stand ist, hat sie alte Zeitungsartikel aufbewahrt. „Wir müssen aufpassen, dass wir keine ungültigen Scheine annehmen. Deshalb schneide ich mir die Fotos von den Banknoten aus.“ Der 500-Schilling-Schein mit Otto Wagner-Abbild wird sie ebenso noch ein Weilchen begleiten wie der Tausender, den Erwin Schrödinger ziert. Sie sind noch bis 20. April 2018 gültig. Bei den letzten, vor der Euro-Einführung gültigen, Banknoten muss sie sich ohnehin keine Fristen für den Umtausch merken. Denn dieser ist bei der Nationalbank zeitlich unbegrenzt möglich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2011)

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