Warum Solaraktien in nächster Zeit keine Energie fürs Depot liefern und ThyssenKrupp stahlharte Gewinne verspricht. Zum Liebling der US-Analysten mausert sich derzeit der US-Computerkonzern IBM.
Wenig Neues – und damit wenig Erfreuliches – gibt es von den Aktienmärkten zu berichten: Die wichtigsten Indizes zeigen sich charttechnisch weiter angeschlagen, und die Nachrichtenlage reizt auch nicht gerade dazu, Kauforders aufzugeben. Daran wird sich in nächster Zeit wenig ändern.
Wobei die Anleger in Europa derzeit eindeutig in die falsche Richtung blicken: Griechenland ist zwar ein ernstes Problem, insgesamt aber viel zu klein, um die Weltwirtschaft aus den Angeln zu heben. Das könnten schon eher die USA und Japan schaffen, deren gigantische Schuldenprobleme derzeit aber unter der Decke brodeln. Wenn hier etwas passiert, dann werden die Märkte ein echtes Problem bekommen.
Ein solches hat bereits die Solarbranche: Die positiven Prognosen, die Solarworld, Yingli, First Solar & Co. – auch an dieser Stelle – nach dem Atomdesaster von Fukushima bekommen hatten, waren leider schlichtweg falsch: Statt zu steigen, sind die Kurse teilweise drastisch gefallen. Jetzt sind schon wieder einzelne Analysten unterwegs, die meinen, dass Solarwerte angesichts der Atom-Ausstiegsszenarien in mehreren europäischen Ländern und der damit verbundenen Energiewende unterbewertet seien und nach einer baldigen Kursbodenbildung schon demnächst wieder steigen sollten.
Ich würde darauf kein Geld setzen. Die Branche ist in eine sehr schwierige Lage geschlittert und wird von zwei Seiten in die Zange genommen: Der Aufbau gigantischer Überkapazitäten drückt sehr kräftig auf die Margen und die – wirtschaftlich sinnvolle – Kürzung der Förderungen in den wichtigsten Absatzmärkten dämpft den Absatz und macht damit das Überkapazitätenproblem noch gravierender.
Zuletzt haben jedenfalls Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien teils deutliche Kürzungen der Einspeistarife aus Solaranlagen angekündigt. Besonders stark wird der Sparstift in Frankreich angesetzt, wo die Aufschläge für die Einspeisung von Solarstrom ins Netz um 20 Prozent (bei Kleinanlagen) und 70 Prozent (bei Großanlagen) gekürzt werden, was den Bau neuer Großanlagen vorerst einmal zum Erliegen bringen dürfte. Denn die Motivation zum Bau von Solaranlagen ist immer noch häufig das Fehlen jeglichen Risikos durch garantierte überhöhte Einspeistarife.
Dieser Mix aus Überkapazitäten auf Produktionsseite und erwarteten Umsatzeinbrüchen ist Gift für die Unternehmen. Es ist also zu erwarten, dass es in der Branche demnächst zu einer Strukturbereinigung kommen wird. Anders gesagt: Nicht wenige Produzenten – darunter natürlich auch börsenotierte – werden vom Markt verschwinden.
Insgesamt hat die Solarbranche – auch als Anlagekategorie – sicher eine leuchtende Zukunft. Solange aber nicht klar ist, wer das absehbare Marktgemetzel überlebt, sollte man von „Sonnenaktien“ eher die Finger lassen.
Und wo sonst soll man jetzt investieren? Solange die aktuelle Börsenschwäche nicht ihren Boden gefunden hat: am besten gar nicht. Wenngleich ein paar ausgewählte Werte auch in Zeiten wie diesen Chancen bieten könnten. Zum Liebling der US-Analysten mausert sich derzeit beispielsweise der US-Computerkonzern IBM(ISIN US4592001014), der im Juni 100 wird und damit ein biblisches Alter für eine IT-Firma erreicht hat.
Der Konzern hat sich nach seiner Krise mit einer Neuausrichtung wieder nach vorne katapultiert, lieferte zuletzt ein hervorragendes Geschäftsergebnis ab und steht mit Kurszielen zwischen 180 und 190 Dollar bei Analysten derzeit relativ hoch im Kurs. Gegenüber dem derzeitigen Kurs von knapp 165Dollar wäre das ein Potenzial von bis zu 15 Prozent – und das ist für einen defensiven Blue Chip nicht schlecht. Vor dem Einstieg sollte man allerdings technische Kaufsignale abwarten.
Ein starkes Kaufsignal hat in der abgelaufenen Woche der deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp(ISIN DE0007500001) generiert. Die Aktie steigt seit einigen Tagen wieder kräftig an und könnte nach Ansicht der Analysten von Cheuvreux durchaus in die Gegend von 60 Euro kommen.
Derzeit notiert das Papier bei etwas über 35 Euro, da ist also sehr viel Luft nach oben drin. Grund für den anhaltenden Durchmarsch der Aktie nach oben ist eine gelungene Umstrukturierung, die zu einer starken Verbesserung der Margen geführt hat. So etwas sieht man an der Börse gern.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2011)