Einigen sich die Parteien nicht auf eine Anhebung der Schulden-Obergrenze, droht die Zahlungsunfähigkeit. Derzeit liegt die Grenze bei 14,3 Billionen US-Dollar. Ratingagenturen schlagen Alarm.
Die Wall Street bereitet sich auf die mögliche Zahlungsunfähigkeit der Wirtschaftssupermacht USA vor. Dem Land droht in einigen Wochen das Geld auszugehen, sollten sich Demokraten und Republikaner im Kongress nicht auf eine Anhebung der Obergrenze für die Staatsschulden einigen können. Die Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte könnten dramatisch sein.
"Wir planen, unsere Abhängigkeit von Staatsanleihen Anfang August zu verringern und als Vorsichtsmaßnahme mehr Bargeld in der Hand zu haben", zitierte die "Financial Times" (FT) in ihrer Montagausgabe den Chef einer US-Bank - allerdings anonym, denn das Thema ist äußerst heikel. Es ist eines der wenigen Male überhaupt, dass sich ein Bankchef zu den Strategien für den Notfall äußert.
Fast 10 Billionen Euro Schulden
Die USA haben die Schuldengrenze von 14,3 Billionen Dollar erreicht. Einigen sich Republikaner und Demokraten nicht auf ein Sparpaket, droht die Zahlungsunfähigkeit. Würde man die Staatsschulden in 1-Dollar-Noten aufeinanderstapeln, würde der Turm von der Erde zweimal zum Mond und wieder zurück reichen, berechnete ftd.de. Boris Roessler
In einem Monat mit 31 Tagen leihen sich die USA täglich vier Milliarden Dollar aus. In Dimes - den amerikanischen 10-Cent-Stücken - ergibt das einen Stapel, der dem Erdumfang entspricht.
Mit 14,3 Billionen US-Dollar wäre es kein Problem, jeden Menschen auf der Welt - vom Säugling bis zum Greis - mit einem Laptop auszustatten. Rainer Jensen
Würden nur die Österreicher die Summe untereinander aufteilen, so könnte sich jeder einen Koenigsegg Agera leisten: Mit einem Preis von rund 1,2 Millionen Euro ist es eines der teuersten Serienautos der Welt.
Klimts "Adele" wechselte im Jahr 2006 für einen Rekordpreis von 135 Millionen US-Dollar den Besitzer. Für diese Summe könnte man die US-Neuverschuldung nicht einmal eine Stunde lang bezahlen - dafür bräuchte man 167 Millionen. Herbert Pfarrhofer
Didi Mateschitz hat als reichster Österreicher ein Vermögen von fünf Milliarden US-Dollar: Er wäre schon am zweiten Tag pleite, wenn er versuchen würde, die US-Neuverschuldung zu begleichen.
Der reichste Mann der Welt, Carlos Slim Helú, besitzt laut der aktuellen "Forbes"-Liste 74 Milliarden US-Dollar. Er könnte damit gerade einmal 19 Tage lang für die Neuverschuldung der USA aufkommen. Jason De Crow
Google zählt zu den wertvollsten Marken der Welt. 111 Milliarden Dollar ist die Marke laut aktuellen Schätzungen wert. Könnte die USA sie um diesen Preis verkaufen, wäre sie am Ende des Monats dennoch nicht schuldenfrei. Denn monatlich leihen sich die USA noch einmal 14 Milliarden mehr aus - das ist mehr als etwa der Wert von Red Bull.
Würden alle 1210 Milliardäre weltweit ihr Vermögen zusammenlegen und den USA zur Verfügung stellen, kämen laut "Forbes" stolze 4,5 Billionen US-Dollar zusammen - also immer noch viel zu wenig, um den Schuldenberg ganz abzubauen. Frank Leonhardt
Was man mit 14,3 Billionen Dollar machen könnte
Investoren rund um den Globus haben den USA riesige Summen geliehen. Bisher gab es auch kaum Zweifel daran, dass die Vereinigten Staaten Zinsen und Tilgung stemmen können - zur Not wurden halt einfach neue Schulden aufgenommen. Doch das Spiel könnte schon bald nicht mehr funktionieren: Die USA müssen bis zum 2. August die Schuldengrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar (9,872 Billionen Euro) deutlich anheben, um zahlungsfähig zu bleiben.
US-Staatsanleihen galten bisher als sichere Geldanlage und wurden von Banken deshalb auch gerne dazu benutzt, um riskante Finanzgeschäfte abzusichern. Das würde bei einem Scheitern der Verhandlungen in Washington nicht mehr funktionieren. Welche dramatischen Konsequenzen drohen, sollte der Finanzmarkt erlahmen, hatte der Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers während der Finanzkrise gezeigt.
Die großen Ratingagenturen haben bereits Alarm geschlagen. Sie drohten damit, dass die USA ihre Bestnote für die Kreditwürdigkeit verlieren könnte - das wäre ein Desaster für das Land und eine Demütigung sondergleichen. Denn eine schlechtere Bonität führt zu einem Vertrauensverlust bei den Investoren und macht die Aufnahme neuer Staatsschulden noch teurer.
Michael Snyder von der unabhängigen Medien-Plattform "Blacklisted News" hat 50 Statistiken über die US-Wirtschaft gefunden, die zu unglaublich sind, um sie zu glauben.Im folgenden besonders 15 hässliche Fakten: So hat die US-Regierung 2010 fast genau so viel Schulden angehäuft wie alle anderen Regierungen weltweit zusammen.Im Bild: Stand der US-Schuldenuhr am 1. Februar 2010. (c) AP (Mark Lennihan)
Hätte man seit Christi Geburt jeden Tag eine Million Dollar ausgegeben, hätte man noch immer keine Billion Dollar ausgegeben.Zur besseren Einordnung: Allein 2010 hat das Haushaltsloch der USA rund 1,6 Billionen Dollar betragen. (c) APA (Herbert Pfarrhofer)
Arbeitsalltag McJob: Mehr als 40 Prozent der Amerikaner arbeiten laut dem Business-Magazin "Fortune" im Jahr 2010 in Niedriglohn-Jobs. (c) AP (Matt Rourke)
Erstmals in der US-Geschichte besitzen Banken mehr Wohn-Immobilien als alle US-Bürger zusammen (gemessen am Nettowert). (c) Bilderbox
Im US-Bundesstaat Kalifornien gibt es laut "L.A. Times" bereits acht Bezirke, die eine Arbeitslosenrate von über 20 Prozent aufweisen. (c) AP (Gregory Bull)
Die "Mortgage Bankers Association" hat im Mai 2010 bekannt gegeben, dass mehr als 10 Prozent aller US-Hausbesitzer zwischen Jänner und März zumindest eine Rate ihres Hauskredits nicht zahlen konnten.Das ist ein Rekordhoch. 2009 lag der Wert noch bei 9,1 Prozent. (c) AP (David Zalubowski)
32 US-Staaten sind laut "EconomicPolicyJournal.com" nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen, Arbeitslosengelder auszuzahlen.Die US-Regierung muss für die Staaten einspringen. Allein Kalifornien musste sich sieben Milliarden Dollar ausborgen. (c) AP (Matt Rourke)
Mehr als 40 Millionen Amerikaner beziehen Essensmarken. Das ist ein trauriger Allzeit-Rekord.Aber der Höhepunkt dürfte noch nicht erreicht sein. Das US-Landwirtschaftsministerium geht laut Nachrichtenagentur "Reuters" für 2011 von einer Zahl von 43 Millionen Amerikanern aus, die Essensmarken in Anspruch nehmen. (c) Reuters (Shannon Stapleton)
1950 lag das Verhältnis der Gehälter von Managern im Vergleich zum durchschnittlichen Arbeiter bei 30:1.Seit dem Jahr 2000 ist dieses Verhältnis auf 300-500:1 explodiert. (c) EPA (Astrid Riecken)
Jener Teil der Amerikaner, die zu den unteren 40 Prozent der US-Einkommensbezieher zählen, besitzen zusammen weniger als ein Prozent des nationalen Reichtums. (c) Reuters (Jessica Rinaldi)
In der US-Stadt Phoenix, Arizona, werden pro Jahr 57.000 Autos gestohlen. Das macht die Stadt zur "Welt-Hauptstadt der Autodiebe". (c) Reuters (Joshua Lott)
Nur 26 Prozent der US-Teenager im Alter zwischen 16 und 19 Jahren hatten Ende 2009 laut Nachrichtenagentur "Reuters" einen Job.Das ist ebenfalls ein trauriger Rekord. Niemals seit Einführung der Statistik im Jahr 1948 war der Wert so hoch. (c) Reuters (Lucas Jackson)
Die Lage der US-Hausbesitzer war auch im Jahr 2010 trist.Im ersten Quartal war die Zahl jener Kredite, die seit über drei Monaten überfällig sind, zum 16. Mal in Folge gestiegen. Das berichtet das "Wall Street Journal". (c) Reuters (Jim Bourg)
Laut den US-Strafverfolgungsbehörden gibt es in den USA mehr als eine Million Mitglieder krimineller Banden. Diese sind für rund 80 Prozent aller Verbrechen verantwortlich, die pro Jahr in den USA verübt werden.Im Bild: Mitglieder der US-Gang "Crips". (c) Reuters (Lucas Jackson)
Um den Schuldenberg, den die USA im Jahr 2010 agehäuft haben, mit einem Schlag zu löschen, müsste der US-Kongress die bestehenden Steuersätze mal 2,4 multiplizieren, rechnet die "Tax Foundation" vor.Der 10-Prozent-Satz müsste als auf 24 Prozent gesteigert werden, der 15-Prozent-Satz auf 36 Prozent und der 35-Prozent-Satz auf 85 Prozent... (c) Reuters (Mike Segar)