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Modulare Oberstufe: Sitzenbleiben erst ab vier Fünfern

(c) Clemens Fabry
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Die Details der Modularen Oberstufe stehen nun fest. Bei Klassenwiederholungen sollen laut Reformkonzept die positiven Noten erhalten bleiben. Begabte Schüler sollen die Reifeprüfung vorziehen können.

Wien/Apa/J.n. Das Sitzenbleiben abzuschaffen, das stand schon lange auf der Agenda der Unterrichtsministerin, Claudia Schmied (SPÖ). Nun stehen auch die Details der Modularen Oberstufe fest: Wiederholt soll eine Klasse nur noch dann werden, wenn der Schüler in mehr als drei Fächern negativ abgeschlossen hat. Darauf haben sich Schmied und ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon geeinigt. Der entsprechende Gesetzesentwurf soll am Montag in Begutachtung gehen. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick.

AHS und BMHS: Die Neuerungen betreffen Schüler der AHS und der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS). Die Schulen sollen selbst entscheiden können, ob sie das Kurssystem ab der neunten oder der zehnten Schulstufe anbieten.

Das System: In der Oberstufe neu soll es künftig ein Modulsystem geben. Das heißt, dass der Semesterstoff in jedem Fach in mindestens zwei Module (z. B. in Mathematik Differenzieren und Integrieren) unterteilt werden muss. Droht in einem dieser Module ein Fünfer, so sollen Schüler per Frühwarnsystem informiert werden. Ihnen soll dann ein Lerncoach zur Verfügung gestellt werden. Je nach Schule soll diese Lernförderung individuell oder in Gruppen stattfinden. Schließt man ein Modul dennoch negativ ab, so wird der negativ erbrachte Lehrstoff dokumentiert und muss im darauffolgenden Semester nachgeholt werden. Der Schüler bleibt dabei im Klassenverband. Ein weiterer Vorteil: Es muss nicht wie bisher der Stoff eines ganzen Jahres nachgeholt werden, sondern nur der eines einzelnen Moduls. Damit sichergestellt ist, dass Schüler den Lehrstoff tatsächlich nachholen, wird dieser in einer Prüfung abgefragt. Dabei gibt es drei (auf Entscheidung der Direktion eventuell auch vier) Prüfungsantritte. Beim letzten Antritt soll der Schüler die Möglichkeit haben, sich von einem anderen als dem Klassenlehrer prüfen zu lassen.

Das Sitzenbleiben: Eine „Ehrenrunde“ sollen künftig nur noch jene Schüler drehen, die in mehr als drei Fächern negativ sind. In diesem Fall sollen den Schülern alle positiven Noten vom vorhergehenden Schuljahr erhalten bleiben. Sprich: Die Schüler müssen auch jene Fächer, die sie positiv abgeschlossen haben, besuchen, ihre positive Note ist ihnen aber bereits gewiss. Sie können sich zwar noch verbessern, schlechtere Noten können sie aber nicht bekommen. Derzeit wiederholen laut Ministerium rund zehn Prozent der Oberstufenschüler eine Klasse. Das sind fast 9400 Schüler pro Jahr. In den Schulen, die das Modulsystem derzeit bereits als Schulversuch führen, zeigte sich, dass durch das neue System 60 Prozent der Klassenwiederholungen vermieden werden können.

Die Begabtenförderung: Das Kurssystem soll auch für begabte Schüler Vorteile bringen: Sie sollen einzelne Module vorziehen können. Damit ist auch ein früherer Antritt zur Reifeprüfung im entsprechenden Fach möglich.

Die Kosten: Zusätzliche Kosten sollen trotz Mentor- und Förderkurssystem nicht entstehen. Durch den Entfall von Klassenwiederholungen erwartet sich Schmied erhebliche Einsparungen. Laut „Milchmädchenrechnung“ seien es bei 5000 Schülern zwischen 35 und 40 Mio. Euro pro Schuljahr. „Davon lassen sich sehr viele Förderkurse finanzieren.“ Außerdem wären durch die „raschere Durchlaufzeit“ keine zusätzlichen Lehrkräfte notwendig. Jene Pädagogen, die künftig als Coach im Einsatz sind, sollen dafür auch dementsprechend entlohnt werden. Mit der Gewerkschaft wurde diesbezüglich noch nicht gesprochen.

Der Zeitplan: Derzeit läuft an 27 Standorten ein Schulversuch zur Modularen Oberstufe. Noch im Herbst 2011 sollen 15 weitere Schulen hinzukommen. Mit dem Schuljahr 2011 beginnt die österreichweite Umstellungsphase im Regelschulwesen. Bis 2016 sollen alle 800 Standorte umgestellt sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2011)