Planwirtschaft à la Brüssel

Nicht EU-Dekrete werden zu mehr Energieeffizienz führen, sondern höhere Preise.

Kommentar

Kaufen Sie sich einen neuen Rasierapparat oder besser gleich ein paar alte Gefriertruhen, solange Sie noch dürfen. Denn um den Energieverbrauch in der EU bis 2020 um ein Fünftel zu senken, ist der Brüsseler Bürokratie mittlerweile jedes Mittel recht.

Per Verordnung will Energiekommissar Günther Oettinger die EU-Bürger zu unmündigen Verbrauchern abstempeln. Da selbst die EU den Verschwendern nicht eigenhändig das Licht abdrehen kann, sollen in Hinkunft die Energieversorger verpflichtet werden, alle zwölf Monate 1,5 Prozent weniger Energie auszuliefern.

Wie bitte? Daran, dass Europa sparsamer mit dem knappen Gut Energie umgehen muss, besteht kein Zweifel. Dass die EU dafür das Vertrauen in den Markt und die Vernunft der Menschen über Bord wirft und die Planwirtschaft neu erfindet, ist originell. Und kontraproduktiv.

Es gibt einen einfachen Grund, warum Europa seinen Effizienzzielen derzeit hinterherhinkt: Energie ist zu billig. Erst der deutsche Atomausstieg und die millionenschwere Förderung der erneuerbaren Energien dürften den Preis so hoch treiben, dass die Verbraucher ihr Verhalten aus purem Eigennutz ändern.

Mit dem „Stromsparerlass“ droht der EU hingegen die Neuauflage des Glühbirnendebakels. Und Energieeffizienz wird plötzlich nicht als Weg, Geld zu sparen, begrüßt, sondern als lästige Strafe aus Brüssel abgelehnt.

matthias.auer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2011)

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