Chef der Landesverteidigungsakademie wird verabschiedet, viele Interessenten für die Nachfolge.
Kulissengespräche
Im Juli wird es in der Causa Entacher wieder spannend: Der von Verteidigungsminister Norbert Darabos abgesetzte Generalstabschef muss bis dahin seinen Abberufungsbescheid bekommen und kann dann diesen bei der Berufungskommission im Bundeskanzleramt anfechten. Zweite Instanz wäre der Verfassungsgerichtshof. Dass Entacher danach wieder als Generalstabschef eingesetzt werden muss, ist eine durchaus realistische Variante.
Jedenfalls ist keine Nachbesetzung möglich, solange die rechtlichen Verfahren nicht abgeschlossen sind. Der interimistisch eingesetzte Generalstabschef Othmar Commenda muss sich bis zu einer definitiven Bestellung weiter gedulden – wobei noch gar nicht fix ist, dass Commenda dann tatsächlich das Rennen machen wird.
Ein anderer prestigeträchtiger Posten kann dafür bald vergeben werden: Der Chef der Landesverteidigungsakademie (LVak), Raimund Schittenhelm, wird nächsten Dienstag in die Pension verabschiedet. Schittenhelm ist derzeit der einzige Offizier neben Entacher, der sich mit dem Generalsrang schmücken kann. General wird sein Nachfolger zwar vermutlich nicht werden, trotzdem ist der LVak-Job heiß begehrt.
Logischer Nachfolger wäre sein Stellvertreter, René Segur-Cabanac, der Bruder von Sektionschef Christian Segur-Cabanac. Doch der gilt eher als ÖVP-nahe, was seine Chancen bei Darabos nicht unbedingt erhöht. Der Verteidigungsminister hat bei seinen bisherigen Personalentscheidungen weitgehend die Gelegenheit wahrgenommen, das Ministerium umzufärben. Wohl auch eine Reaktion auf die Zeit zwischen 1983 und 2006, als FPÖ- und ÖVP-Minister am Ruder waren, die ihrerseits eine konsequente Personalpolitik betrieben haben. Beim Amtsantritt von Darabos gab es nur wenige SPÖ-nahe Offiziere in Spitzenpositionen.
Bessere Chancen werden dem früheren Wiener Militärkommandanten Franz Reiszner, jetzt Leiter der Gruppe Logistik im Ministerium, und dem Leiter der Direktion für Sicherheitspolitik, Johann Pucher, eingeräumt. Favorit ist aber ein anderer: Erich Csitkovits, der sowohl im Kabinett des früheren Verteidigungsministers Günther Platter (ÖVP) als auch in dem seines Nachfolgers Darabos tätig war. Darabos verhalf ihm schon vor drei Jahren zu einem ersten Karrieresprung und machte ihn zum Leiter der Gruppe Grundsatzplanung.
E-Mails an: martin.fritzl@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2011)