Sicherheit ist Trumpf, Aktien stechen Anleihen, Gold eignet sich nur noch zum Vergraben im Garten. Wie die Verwalter großer Vermögen krisensicher anlegen.
Wien. Auf Anleger kommen wieder schwerere Zeiten zu: Die Aktienmärkte schwächeln seit Monaten, Staatsanleihen sind entweder unsicher oder bringen keine realen Renditen, Immobilien- und Rohstoffpreise zeigen ernste Anzeichen von Blasenbildung und sind damit längst keine Schnäppchen mehr. Und Casheinlagen – egal ob Sparbuch oder Tagesgeld – lassen sich ohnehin nur noch unter dem Schlagwort „Kapitalvernichtung“ zusammenfassen.
Was also tun, wenn man die kommende Krise ohne größere Blessuren überstehen will? Den Reichen bei der Veranlagung über die Schulter zu schauen hat in solchen Fällen noch nie geschadet. „Die Presse“ hat sich also angesehen, wie die auf Verwaltung großer Vermögen spezialisierte Wiener Privatbank Gutmann derzeit ihre „Asset Allocation“ anlegt.
Grundsätzlich, so Gutmann-Vorstand Friedrich Strasser, lege man derzeit noch konservativer an als sonst. Jetzt sei nicht die Zeit riskanter Experimente. Zwar sei das globale wirtschaftliche Umfeld abseits der Staatsschuldenkrise in Europa und zunehmend auch in Amerika einigermaßen intakt. Die konjunkturellen Frühindikatoren deuten aber auf Abschwächung hin, was die Märkte verunsichert. Gemeinsam mit den hohen Unsicherheiten, die von der Euro-Staatsschuldenkrise ausgehen, wird das für hohe Volatilität an den Märkten sorgen.
Wer viel Geld hat, versucht in so einer Umgebung auf der sicheren Seite zu bleiben. Für die einzelnen Anlageklassen heißt das Folgendes:
• Anleihen. Die privaten Banker sind derzeit dabei, ihr Anleihenportfolio herunterzufahren beziehungsweise so umzustrukturieren, dass man die Risken möglichst klein hält. Das bedeutet, dass kaum noch Unternehmensanleihen ins Portfolio kommen und dass sich das Staatsanleihen-Portefeuille auf Papiere der vergleichsweise sicheren Staaten Deutschland, Österreich, Holland und Frankreich konzentriert. „Ein bisschen Schweiz, Schweden und Norwegen“ (Strasser) kommt noch dazu, riskantere Papiere kommen aber nicht mehr infrage. Beigemischt werden noch ein paar speziellere Produkte, etwa Pfandbriefe von italienischen Banken.
Wer das nachmachen will, sollte allerdings nicht mit hohen Renditen spekulieren: Die Renditen der meisten sicheren Staatsanleihen sind abzüglich Inflation und Kest derzeit unter Wasser; sie sorgen also für kleine reale Verluste.
• Aktien. Hier schichten die Private Banker gerade regional kräftig um: Der Anteil der Papiere aus Nordamerika und Asien wird zurückgefahren, der von Papieren aus Europa wird erhöht. Der Hauptgrund: Deutschland ist ökonomisch sehr stark, deutsche Aktien haben deutlich größeres Potenzial als etwa amerikanische. Dazu kommt der Wegfall des Währungsrisikos, das Anleger nicht unterschätzen sollten. Zumal Währungsrelationen nur schwer abzuschätzen sind: Nirgendwo sonst gibt es so viele Fehlprognosen.
Trotz der Umschichtung bilden nordamerikanische Aktien aber noch immer die größte Position (47Prozent) bei Gutmann, der Anteil europäischer Aktien wurde zuletzt von 30 auf 34Prozent hochgefahren. Alle anderen Regionen haben mit Anteilen von fünf Prozent und weniger eher den Charakter von „Beimischungen“.
Grundsätzlich gilt: Ins Portfolio kommen nur noch erstklassige Blue Chips mit hohen Dividendenrenditen. Die eignen sich nämlich auch zum „Aussitzen“, falls die Börsen vorübergehend absacken. Und sie versprechen bei vergleichsweise hoher Sicherheit deutlich höhere Renditen als Anleihen.
• Immobilien. Haus und Grund sind bei Gutmann kein Thema, weil das die reiche Klientel ohnehin schon hat. Vom Anlagegesichtspunkt geben Immobilien wegen der Preissteigerungen in den vergangenen Jahre nichts mehr her. Strasser: „In der Wiener Innenstadt muss man schon froh sein, wenn ein halbes bis ein Prozent Rendite übrig bleibt.“
• Gold.Das Edelmetall ist beim derzeitigen Preisniveau kein Anlageinstrument. Wer sich einen Notfallspolster für den schlimmsten aller Fälle, den totalen Zusammenbruch, einrichten wolle, solle „Goldmünzen kaufen und die im Garten vergraben“. Denn Gold im Banksafe helfe gar nichts, wenn die Bank nicht mehr zugänglich sei. Und mit Gold unterlegte ETCs (Exchange Traded Commodities) seien im Ernstfall, wenn sie nicht mehr gehandelt werden, auch nicht mehr als bedrucktes Papier. [i-Stockphoto]
Was Sie beachten sollten bei... krisensicherer Geldanlage
Tipp 1
Anleihen. Grundsätzlich lässt sich mit sicheren Anleihen nicht mehr viel verdienen, Trotzdem kommen ausschließlich Staatsanleihen der sicheren Euro-Länder Deutschland, Österreich. Holland und Frankreich sowie Papiere der Schweiz, Norwegens und Schwedens ins Depot. Das schützt vor bösen Überraschungen.
Tipp 2
Aktien. Ausschließlich Blue Chips mit hohen Dividendenrenditen werden ins Depot genommen. Die leiden bei Börseneinbrüchen zwar auch, mit ihnen lassen sich Flauten aber bequemer (vor allem aber mit laufender Verzinsung) „aussitzen“. Europäische Blue Chips erhalten den Vorzug vor amerikanischen, Asien-Aktien werden zurückgefahren.
Tipp 3
Immobilien, Gold. Beide Anlageklassen sind vom Renditegesichtspunkt her nicht mehr zu empfehlen, Gold eignet sich aber als „Sicherheitsanker“ für Extremsituationen. Gold im Banksafehilft im Extremfall, wenn die Banken gesperrt sind, freilich genau so wenig wie „Papiergold“ in Form von ETCs, die dann nicht mehr gehandelt werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2011)