"Gaddafi hat 25.000 Geiseln in seiner Gewalt"

Nato Gaddafi 25000 Geiseln

Libyens Diktator soll Clan-Chefs und einflussreiche Persönlichkeiten festhalten. Seine Geiseln nutzt er auch als Schutzschilde. Gaddafis Truppen und die Rebellen liefern sich in Slitan schwere Gefechte.

Der libysche Diktator Muammar al-Gaddafi hält nach Schätzungen des kanadischen Generals Charles Bouchard Tausende Clan-Chefs und andere einflussreiche Persönlichkeiten als Geiseln in seiner Gewalt.

"Gaddafi will damit einen Massenaufstand der Bevölkerung verhindern", erklärte der Oberbefehlshaber der Nato-Aktion gegen Libyen der französischen Zeitung "Le Figaro". Gaddafi nutze die Geiseln aber auch als menschliche Schutzschilde.

Bouchard berief sich auf mehrere Geheimdienstberichte, wonach Gaddafi insgesamt rund 25.000 Personen in seiner Gewalt haben soll. Damit häufen sich die Vorwürfe von schweren Menschenrechtsverletzungen gegen den Diktator. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte am Freitag "systematische Vergewaltigungen" in Libyen angeprangert.

Im Hinblick auf den Kampfeinsatz betonte General Bouchard erneut die Schwierigkeiten für seine Soldaten, die Gegner zu erkennen: "Wir reden von einem Land, in dem der Gegner überall die Unformen ausgezogen hat, um sich unter die Zivilisten zu mischen. Er schützt sich hinter der Bevölkerung, hinter Frauen und Kindern, in Moscheen und Krankenhäusern."

Neuerlich Explosionen in Tripolis

Tripolis wurde unterdessen erneut von mehrere Explosionen erschüttert. Nachdem am Freitagmorgen zunächst Detonationen in einiger Entfernung zu hören waren, gab es am Nachmittag im Stadtzentrum heftige Explosionen. Die Aufständischen lieferten sich unterdessen 160 Kilometer östlich der Hauptstadt schwere Gefechte mit den Gaddafi-Truppen. Nach Angaben eines Retuers-Reporters haben sie in der Stadt Slitan auch Raketen mit einer Reichweite von 20 Kilometern abgefeuert. Ziel soll ein Munitionsdepot gewesen sein.