Tabu oder nicht, es reicht: Das Wetter ist unerträglich!

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Déjà-vu: Ausgerechnet für Samstag, Sonntag wird prognostiziert: „veränderlich“, „kühl“, „regnerisch“.

Wutbürger, wie sie genannt werden und ähnlich Pilzen nach Frühsommerregen (Sie verstehen die Anspielung?!) vielerorts sprießen, haben ihren Zorn gegen manches gerichtet: Bahnhöfe, Flughäfen, Straßen, Atom-, Gas-, Kohle-, Fluss-, Windkraftwerke. Nur das Naheliegendste wird (darf man es noch sagen?) gottgegeben hingenommen. Das Wetter. Es muss einmal gesagt und gegen ein Tabu verstoßen werden. Schreib über alles, nur nicht über das Wetter, lautet eines dieser Nichtjournalisten fremden Gesetze. Das nur durch ein anderes Diktum overruled werden kann: Tu alles im Dienst des Lesers. Eben.

Wissenschaftler mögen noch so oft einen statistischen Zusammenhang zwischen Wetter und Wochentag in Abrede stellen. Stümper! Der Zusammenhang ist evident. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Montag bis Freitag, wenn zwei von zehn Österreichern arbeiten, die Sonne von Wolken unverhüllt zeigt, die Temperatur behaglich bis heiß präsentiert, ist hoch. Zur Gewissheit hat sich die Wahrscheinlichkeit jedenfalls verdichtet, wenn es um den Samstag, den Sonntag und allenfalls einen der paar Feiertage in Österreich geht. Je näher diese Tage rücken, umso geknickter blicken die TV-Meteorologen abwechselnd in die Kamera und auf die Satellitenkarten. Der Satz, es gebe kein schlechtes Wetter, nur unangepasste Kleidung, war schon vor 100 Jahren nicht witzig. Wer will schon im Freien unter einem Regenschirm grillen oder gar essen, auch wenn er in Gummistiefeln und Seemannskleidung steckt? Dieses Wetter ist unerträglich und inakzeptabel. Es muss etwas geschehen. Erbarmen! Oder soll es zu Lektüre verführen? Schon einmal vom Buch Hiob gehört?

E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2011)

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