Let's make money: Politik Kurse und Blue Chips

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Warum die Politik Kurse derzeit stärker beeinflusst als Charttechnik und welche Blue Chips von der Energiewende stark profitieren. Wer unbedingt investieren will, könnte einen Blick in die Chemiebranche werfen.

Die Flaute an den Aktienmärkten hält jetzt schon die sechste Woche an. Und so wirklich Entwarnung geben kann man noch immer nicht. Im Gegenteil: Die Chartbilder der für heimischen Anleger wichtigen Indizes (besonders das des heimischen ATX, der unter seine 200-Tage-Linie gerauscht ist) verdüstern sich zusehends. Eine gewisse Ausnahme bildet nur noch der deutsche Dax, der zwar auch keine berauschenden Resultate liefert, aber wenigstens seinen mittelfristigen Aufwärtstrendkanal noch nicht verlassen hat.

Freilich: Chartbilder sind den Anlegern derzeit ziemlich egal. Sie beschäftigen sich jetzt weniger mit Kursformationen als mit zwei großen Fragen: Wird es der Eurozone gelingen, das Griechenland-Desaster halbwegs schmerzfrei aufzuräumen? Und: Wird sich die Notenbank der ökonomisch sichtlich angeschlagenen USA dazu hinreißen lassen, im Sommer entgegen bisheriger Ankündigungen ein „Quantitative Easing Programm Nr. 3“ auf die Beine zu stellen, die Geldzügel also noch einmal so richtig zu lockern?

Lautet die Antwort auf die beiden Fragen „ja“, dann wird in den nächsten Monaten noch einmal die Börsenpost abgehen. Lautet sie „nein“, dann sind die Börsen in nächster Zeit nicht die erste Adresse für profitable Geldanlage. Zumal die Kurse für das „Nein“-Szenario schon jetzt deutlich überbewertet sind.

Gewiefte Anleger lassen jetzt also eventuelle Gewinne noch laufen, setzen ihre Verlustbegrenzungs-Limits eher eng und schauen sich das Treiben am besten entspannt von der Seitenlinie aus an. Sollten sich die Dinge im Sinne der Börsen entwickeln, dann ist es gut, wenn man im Falle des Falles Reserven für neue Engagements hat.

Bis dahin hat man Zeit, sich zu überlegen, wie man sich für die Megatrends der kommenden Jahre positioniert. Ein solcher ist zweifellos die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien. Die hat Anlegern in letzter Zeit freilich nur Zores beschert: Solarworld, Yingli und Co. sind entgegen allen Prognosen trotz des von der Atomkatastrophe in Japan ausgelösten Meinungsschwenks gefallen und gefallen. Die unmittelbaren Gründe sind hier schon dargelegt worden: Besonders die Solarbranche hat riesige Überkapazitäten aufgebaut, das löst Preisverfall aus und bringt viele der hoffnungsvollen Branchenstars ins Straucheln. Noch ist unklar, wer diese Konsolidierung überleben wird und wer nicht. Das schafft Unsicherheit.

Im Hintergrund zeichnet sich aber immer mehr ab, dass nicht die an den diversen Technologiebörsen notierten spezialisierten Ökostars die großen Gewinner der Energiewende sein werden,, sondern die finanzstarken alten „Saurier“: Fast alle einschlägigen Großkonzerne sind in letzter Zeit massiv ins Öko-Business eingestiegen und treiben die umweltfreundlichen Technologien mit großem Elan voran.

Wer also auf die Energiewende setzen will, vom Geldverlieren mit Conergy & Co. aber erst einmal genug hat, tut gut daran, sich mit Unternehmen wie Siemens(ISIN DE0007236101), General Electric(ISIN US3696041033), Kawasaki Heavy Industries (ISIN JP3224200000), Mitsubishi Heavy Industries(ISIN (JP3900000005) oder Schneider Electric(ISIN FR0000121972) zu beschäftigen.

Diesen „Riesen“ mangelt es aus Sicht von Öko-Investoren zwar durchgehend ein wenig an Political Correctness: Die meisten sind nämlich gleichzeitig auch im Kernkraftgeschäft tätig. Aber sie haben als „Blue Chips“ in unruhigen Zeiten wie jetzt einen großen Vorteil: Sie sind nicht so volatil wie kleinere Tech-Werte. Zwar können sich auch „Blue Chips“ den Marktbewegungen – wie jetzt nach unten – nicht entziehen. Aber die Rückgänge fallen meist nicht so heftig aus.

Wegen der allgemeinen Marktschwäche kann man sich die künftigen Öko-Riesen jetzt auch in aller Ruhe anschauen. Siemens hat zwar vor einigen Tagen ein technisches Kaufsignal generiert, und General Electric ist gerade dabei, das zu tun. Bei den anderen sollte man solche Signale noch abwarten.

Wer unbedingt investieren will, könnte einen Blick in die Chemiebranche werfen: Da hat die im letzten Jahr sehr gut gelaufene Lanxess(ISIN DE0005470405) gerade ein Kaufsignal generiert. Die Aktie ist derzeit nicht besonders hoch bewertet, Analysten trauen ihr angesichts der hervorragenden Geschäftsentwicklung des Unternehmens deshalb beträchtliches Aufwärtspotenzial zu. Derzeit liegt der Kurs bei 57, bis in die Gegend von 80 könnte es mittelfristig schon gehen.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2011)

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