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Werner Amon und das „Beatrix-Karl-Schicksal“

(c) Michaela Bruckberger
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Werner Amon sollte der ÖVP-Bildungspolitik einen konservativen Anstrich verleihen. Nun wird dem Parteisoldaten ausgerechnet die „zu gute“ Zusammenarbeit mit der roten Unterrichtsministerin zum Verhängnis.

Wien. Es ist ein Treppenwitz der ÖVP-Geschichte, dass ausgerechnet ihn das „Beatrix-Karl-Schicksal“ ereilt. Als Werner Amon im März die damalige Uni-Ministerin als ÖVP-Bildungsverhandlerin ablöste, tat er das vor allem aus einem Grund: Die Partei war des liberalen Kurses der Ministerin überdrüssig. Sie solle lieber ÖVP-Inhalte vertreten, statt mit der roten Unterrichtsministerin Claudia Schmied als Reform-Pärchen aufzutreten. Nun ist Amon in diese Falle getappt.

Er habe sich bei der modularen Oberstufe von der SPÖ-Ministerin vereinnahmen lassen, so der Vorwurf vieler ÖVP-Funktionäre. Vor allem in der Wiener Landespartei ist der Ärger über den 42-jährigen Steirer groß: Amon habe die Verhandlungen „verpatzt“ und sei „mit seinen Ideen untergegangen“. Was in der öffentlichen Wahrnehmung von der Reform übrig blieb, sei das „Ende des Sitzenbleibens“. Den ÖVP-Kernschichten kann man das schlecht verkaufen. Wie es so weit kommen konnte? Vom Endergebnis der Verhandlungen habe Amon die Partei nicht mehr in Kenntnis gesetzt. Als sich nach der Präsentation des Konzepts Widerstand gegen die „Kuschelpädagogik“ formierte, habe Parteiobmann Michael Spindelegger einfach reagieren müssen. Spindelegger, dem ohnehin nicht das beste Verhältnis zu Amon nachgesagt wird, pfiff ihn zurück: Der Leistungsgedanke sei zu wenig berücksichtigt.

Amon ist nun innerparteilich angeschlagen. Und das, obwohl er anfangs als genau der Richtige für die neue (alte) Linie der Volkspartei galt. Anders als Karl, die gerne mal laut über ein „Gymnasium für alle“ (also die Gesamtschule) nachdachte, konnte Werner Amon bei der Basis mit süffisanten Kommentaren zur „Eintopfschule“ punkten. Seine Linientreue hat er bei Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer gelernt, der ihn in seiner Zeit als Chef des ÖAAB zu dessen Generalsekretär machte. Abgesetzt wurde er 2009 ausgerechnet von Michael Spindelegger, der als neuer ÖAAB-Chef lieber Karl im Team wollte.

Bei progressiven Kräften in der ÖVP war der farblose Steirer – der als ministrabel gilt, aber nie zum Zug kam – immer schon unbeliebt. Sein nunmehriger Kardinalfehler: Mit seinem SPÖ-freundlichen Kurs spiele er nicht nur der FPÖ in die Hände, heißt es. Den „Leistungsgedanken“ im Schulkonzept nicht zu transportieren, rüttle an einer der Grundfesten der Partei. Dass Amon bei der Reform zurück an den Start muss, legt nicht nur das Kommunikationsproblem der ÖVP offen. Es schadet auch ihm: Der Ruf, nicht paktfähig zu sein, ist ihm sicher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2011)