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MOL soll Sanader bestochen haben

(c) AP (Darko Bandic)
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2008 lieferten sich die OMV und die ungarische MOL einen Übernahmekrieg beim kroatischen Ölkonzern INA. Die MOL gewann, angeblich dank Schmiergeld. MOL-Chef Hernadi das Bestechungsgeld an Sanader bezahlt haben.

Wien/Rie. „Wir haben damals schon gemutmaßt, dass im Hintergrund etwas läuft.“ Dieses „Etwas“, das der OMV-Mitarbeiter vermutete, dürften zehn Millionen Euro gewesen sein. Mit dieser Summe soll der ungarische Ölkonzern MOL eine Übernahmeschlacht im Jahr 2008 gegen die österreichische OMV für sich entschieden haben. Gekämpft wurde um den kroatischen Ölkonzern INA, und kassiert haben soll die Millionen der damalige kroatische Premierminister Ivo Sanader, der seit Dezember 2010 in Österreich in Auslieferungshaft sitzt.

Laut eines Berichts der kroatischen Zeitung „Večernji list“ vom Dienstag soll MOL-Chef Zsolt Hernadi das Bestechungsgeld an Sanader bezahlt haben. Für alle Personen gilt die Unschuldsvermutung. MOL wies die Anschuldigungen empört zurück und drohte rechtliche Schritte an.

2009 soll sich Sanader fünf Millionen Euro auszahlen lassen und das Geld in der Schweiz deponiert haben. Von dort und von österreichischen Behörden seien Hinweise gekommen, die den Verdacht der Bestechung nährten, erklärte die kroatische Antikorruptionsbehörde am Dienstag.

 

Schweigen in Österreich

In Österreich bestätigte man nur, dass es am 10. Juni ein erweitertes Auslieferungsansuchen für Sanader von den kroatischen Behörden gegeben habe. Dass darin von der Zehn-Millionen-Bestechung die Rede ist, wollte niemand bestätigen. Seit Sanader einem vereinfachten Auslieferungsverfahren zugestimmt hat, beschäftige man sich nicht mehr detailliert mit den Vorwürfen, hieß es beim Landesgericht Salzburg.

Die Bestechung soll damals nicht nur zur Folge gehabt haben, dass die MOL beim kroatischen Ölkonzern einsteigen konnte (sie zahlte 1,18 Milliarden Euro für 31 Prozent). Die Beteiligung sei auch so aufgeteilt worden, dass die kroatische Regierung den unprofitablen Teil der Gassparte von INA übernahm, während die MOL die Führung und den profitablen Teil erhielt.

Für die OMV bedeutete das Scheitern bei der Übernahmeschlacht in Kroatien eine doppelte Niederlage. Einerseits wollten die Österreicher mit einer Beteiligung an der INA im Süden weiter Fuß fassen. Andererseits ging es auch um eine Übernahme der MOL durch die OMV, gegen die sich die Ungarn wehrten. Mit dem INA-Einkauf konnte die MOL die Abwehrriege vergrößern: Teile des Kaufpreises zahlten die Ungarn nämlich in Form von Aktien. Somit hatte man mit der kroatischen Regierung einen weiteren befreundeten Aktionär an Bord.

 

OMV hatte Pech mit der MOL

Zudem meinten Experten damals, eine Übernahme der MOL mit ihrer INA-Beteiligung könnte der OMV wettbewerbsrechtliche Probleme bringen. Die Österreicher waren bereits in Kroatien aktiv. Hätten sie die MOL und damit die INA übernommen, hätte das als marktbeherrschende Stellung gewertet werden können.

Die OMV gab den Kampf am Ende auf und verkaufte ihre MOL-Anteile an die russische Surgutneftegas. Auch das brachte ihr Pech: OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer wurde deswegen wegen Insiderhandels angeklagt, am Ende aber freigesprochen.

Auf einen Blick

Gegen Kroatiens Ex-Premier Ivo Sanader, der binnen zwei Wochen von Österreich nach Kroatien ausgeliefert werden soll, werden neue Vorwürfe laut. Laut einem Bericht der Zeitung „Večernji list“ soll der unter Korruptionsverdacht stehende Politiker zehn Millionen Euro Schmiergeld kassiert haben - von der ungarischen MOL, die im Gegenzug der größte Aktionär des kroatischen Konzerns INA wurde. Damit bremsten die Ungarn den österreichischen Ölkonzern OMV gleich doppelt aus: Bei der Bieterschlacht um die INA und bei der versuchten MOL-Übernahme.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2011)