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Der Stille aus der zweiten Reihe

Stille zweiten Reihe
(c) Klingen/ Katholisch.at
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Ahmet Hamidi war seit 1991 Vizepräsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Nach problematischen Aussagen über Frauen trat er zurück.

 

Porträt des Tages

Dass Ahmet Hamidi seit 1991 Vizepräsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) war, dürfte der Großteil der Bevölkerung bis vor wenigen Tagen gar nicht gewusst haben. Doch Mitte der Woche fand er sich plötzlich im medialen Scheinwerferlicht wieder. Sport sei für Frauen nicht gut, hatte er bei einer Diskussion behauptet. Und damit erstmals in größerem Umfang den Sprung in die Medien geschafft.

Ungewohnte Worte, schließlich hatte er sich bis dato als liberal und weltoffen positioniert, sich etwa gegen Zwangsverheiratungen engagiert. 1957 in Mardin in der Türkei geboren, studierte er Medizin und Islamische Theologie, ehe er nach Österreich auswanderte. Von 1990 bis 1997 leitete Hamidi die Zuckerambulanz bei der Gebietskrankenkasse, danach eröffnete er seine eigene Ordination. Zusätzlich arbeitete er von 1985 bis 2004 als Religionslehrer und bis zuletzt als Fachinspektor für islamischen Religionsunterricht.

Und plötzlich steht der 54-Jährige als „Islam-Macho“ da, der ein „mittelalterliches Rollenverständnis“ vertritt, wie es in Reaktionen heißt.Hamidi selbst legte als Reaktion sein Amt als Vizepräsident der IGGiÖ nieder – ein symbolischer Akt, schließlich wird am Sonntag ohnehin ein neuer Vorsitz gewählt. Der 54-Jährige betont aber, dass sein Rücktritt „kein Schuldeingeständnis“ sei. Und dass er die angeblichen Sager in dieser Form nie getätigt habe – dementsprechend will er nun gegen einige Medien wegen Rufschädigung vorgehen. eko

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2011)