Tourismus: Grazer Hotel-Export für Wien

(c) Teresa Z�
  • Drucken

Nach dem Retro-Hotel „Daniel“ in Graz eröffnet nun auch eine Dependance in Wien – im ehemaligen Hoffmann-La-Roche-Gebäude am Landstraßer Gürtel.

Wien. Florian Weitzer hat in Sachen Hotellerie einen guten Riecher. Er hat zwar von seinem Vater bereits drei mehr oder weniger gutgehende Grazer Hotels übernommen: „Weitzer“, „Wiesler“ und „Daniel“. Seinen Stempel hat der Junior den Hotels – allen voran dem „Daniel“ nach dem Umbau zum Lifestylehotel – aber allemal verpasst.

„Ich will weg von dem Gehabe und das Ganze etwas lockerer machen“, sagt er. Beim 2005 eröffneten „Daniel“ neben dem Hauptbahnhof wurde das von den Gästen ganz gut angenommen. Jetzt soll das Konzept auch in Wien umgesetzt werden. Im Oktober will der Unternehmer im ehemaligen Hoffmann-La-Roche-Gebäude am Landstraßer Gürtel ein Hotel „Daniel Wien“ eröffnen.

Noch herrscht dort Baustelle. „Die Presse“ durfte vorab einen Blick in den denkmalgeschützten 60er-Jahre-Bau werfen. Dass das Gebäude mit seiner Glasfront an das „Daniel“ in Graz erinnert, kommt nicht von ungefähr. Bei beiden (denkmalgeschützten) Bauten hatte der Architekt Georg Lippert seine Hände im Spiel. „Als wir den Namen Lippert gehört haben, dachten wir uns, den kennen wir ja. Das hat uns gleich noch mehr motiviert“, sagt Michael Pfaller, Generaldirektor der Weitzer Hotels Betriebsges.m.b.H. Rund drei Jahre dauerten die Verhandlungen – nicht zuletzt mit dem Bundesdenkmalamt. Vor gut einem Jahr wurde das Gebäude von der Raiffeisen Bankengruppe, die es wiederum von der Immofinanz erhalten hatte, gekauft. „Wir wollten nur den vorderen Teil. Raiffeisen baut im hinteren Teil 70 Wohnungen, so sind alle glücklich“, so Weitzer.

Bar statt Rezeption

Das Wiener Hotel wird dem Grazer Pendant nicht unähnlich sein. Das Konzept lautet „einfach, reduziert, funktional“ – mit einem Hauch Retro-Design. Im Erdgeschoss gibt es keine klassische Rezeption, sondern eine Bar, die diese Aufgabe erledigt. „Wenn die Gäste reinkommen und bei der Bar nach der Rezeption fragen, haben wir es richtig gemacht“, sagt Weitzer.

Diese Reduktion zieht sich bei den Zimmern durch: Einen Kasten oder gar eine Minibar sucht man vergeblich. Dafür gibt es WLAN, Panoramaduschen und einen Vespa-Verleih. Insgesamt 116 Zimmer wird es geben. 36 davon sollen größere Panorama-Zimmer mit frei stehender Badewanne und Hängematte sein. Jene im sechsten Stock bieten einen wunderschönen Blick über Wien, mit dem Belvedere im Vordergrund. Der Preis für ein Basiszimmer soll unter 100 Euro pro Tag liegen.

Seminarräume oder ein Wellnessbereich passen Weitzer ebenso wenig ins Konzept wie ein Haubenkoch mit großem Namen. Im Erdgeschoss ist, neben einem Design- und Accessoire-Shop, eine Bakery geplant. „Dort soll es Frühstück geben, Kuchen, Brownies, aber keine Konditorkunst, sondern eben eine Art Hausfrauen-Bakery“, so Pfaller. Im Laufe des Tages will man dann auch Suppen, Salate, Steaks und Co. anbieten.

Kein Dienstmann mehr

„Wir wollen weg von den ,fünf Sternen‘“, sagt Weitzer und meint damit nicht nur das „Daniel“, sondern auch die anderen ehrwürdigen Häuser „Weitzer“ und „Wiesler“, die er 2003 von seinem Vater Hans Helmut Weitzer übernommen hat. Auch dort sucht man vergebens einen Haubenkoch oder gar einen Kofferträger. „,Hallo, Dienstmann‘ ist vorbei. Den gibt es nirgends mehr, warum sollte man das dann noch ausgerechnet im Hotel anbieten.“

Das Konzept dürfte funktionieren. Das vor einem Jahr eröffnete Restaurant „Speisesaal“ im „Wiesler“ läuft bestens. Mit einem gehobenen Hotel-Restaurant hat es wenig gemein. Es sieht eher so aus, wie man sich Jamie Olivers Wohnzimmer vorstellt. „Seit der Wiedereröffnung des Hotels im Mai 2010 haben wir ein Umsatzplus von 50 Prozent allein im Logis-Bereich. Im Gastro-Bereich ist es wahrscheinlich noch mehr“, so Florian Weitzer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2011)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.