Die Stadt bietet ein variantenreiches Sommerprogramm. Zwar gibt es ein größeres Angebot an Hortplätzen, der Großteil der Kinder wird aber anders versorgt, oder in ein Feriencamp geschickt.
Wien. Sommer, Sonne, Fadesse und Fernseher: Um genau diese Kombination für Kinder arbeitender Eltern nach dem Zeugnis nächsten Freitag zu vermeiden, bietet die Stadt ein variantenreiches Sommerprogramm. Mit ganztägigen Hortplätzen erreicht sie dabei jedoch nur die Minderheit der Volksschüler. Die Mehrheit scheint sich innerfamiliär zu organisieren oder greift auf (teurere) private Anbieter zurück. Und: Der Trend zu durchgeplanten Ferien hält an, speziell Sportcamps sind gefragt.
1. Was bietet Wien seinen Volksschülern im Sommer?
Insgesamt gibt es 22.124 Hortplätze im städtischen und privaten Bereich, 9900 davon städtisch. Für jene Kinder, die auch während des Schuljahres einen Hort besuchen, stehen diese Plätze auch im Sommer von 8 bis 17.30 Uhr zur Verfügung. Heuer können zusätzlich 1000 Gastkinder aufgenommen werden. Für ein Zusatzbudget von 844.000 Euro wurde die Ferienbetreuung um 400 Plätze erweitert. Da viele Kinder nur wochenweise kommen, können die genannten 1000 Kinder diese Plätze nützen – vor allem solche berufstätiger Eltern, die während des Jahres in Nachmittagsbetreuung in ganztägigen Volksschulen und im Verein „Wiener Kinder- und Jugendbetreuung“ sind.
2. Welchen Anteil der Kinder deckt das städtische Angebot ab?
Im Vorjahr zählte die Stadt über den Sommer verteilt rund 20.000 Kinder in städtischen Horten. Bei etwa 52.000 Volksschülern nehmen somit 38,5 Prozent der Volksschüler eine (städtische) Betreuung in den Ferien in Anspruch – der Anteil jener Eltern, die ihre Kinder bei Großeltern, privat oder oder gar nicht betreuen lassen, ist also beträchtlich.
3. Wie viel kostet die Betreuung im öffentlichen und privaten Bereich?
148,73 Euro pro Monat für die Hortbetreuung (wie während des Jahres) plus 57,41 Essensbeitrag pro Monat. Gastkinder zahlen mit 52,56 Euro pro Woche mehr, für Eltern mit geringem Einkommen gibt es jedoch Ermäßigungen. Private Einrichtungen veranschlagen pro Kind maximal 65,91 Euro pro Woche, Vergünstigungen gibt es.
4. Warum gab es Unzufriedenheit mit dem Anmeldemodus?
Vebesserungspotenzial scheint in der Kommunikation zwischen Eltern und MA 10 gegeben. Denn wer ein Kind, das normalerweise nicht den Hort besucht, im Sommer betreut wissen wollte, musste es bis Ende Februar anmelden und ein Reservierungsentgelt von 52,56 Euro entrichten (das später angerechnet wird). Ein Brief mit einem Platzangebot erreichte die Eltern allerdings erst Anfang Mai, manche später. „Dass soviel Zeit bis zur konkreten Information vergeht, hat irritiert“, sagt Katja Kolnhofer, Vorsitzende des Wiener Landesverbandes der Elternvereine. Dabei hätten noch mehr Eltern Bedarf an Sommerbetreuung für ihr Kind, viele würden sich aber in der Familie organisieren. Steigenden Betreuungsbedarf bestätigt auch die MA 10, die aber heuer alle Anfragen positiv beantworten konnte.
5. Warum bekamen manche einen Platz abseits ihres Heimatbezirks ?
Eigene Schulstandorte für die Sommerbetreuung gibt es dort, wo Horte wenig zusätzliche Plätze bieten oder Schulgebäude verfügbar sind und nicht über den Sommer saniert werden. Konkret sind das Standorte in Favoriten (Campus-Standort Monte Laa), Leopoldstadt, Hütteldorf, Liesing, Simmering, Ottakring, Floridsdorf und Donaustadt. Innerhalb des Gürtels war laut MA 10 genug Platz, um zusätzliche Kinder in Horten unterzubringen, „fallweise“ wich man auf Nachbarbezirke aus. Laut Elternverein beschwerten sich manche Eltern über die verkehrsungünstige Lage mancher Standorte, wie etwa nahe der Prater-Hauptallee.
6. Gibt es noch Restplätze für Kinder ohne reguläre Anmeldung?
Ja, vereinzelt. Auskunft darüber bietet die MA-10-Servicestelle unter 01/277 55 55. Oder direkt bei einem Hort- oder Kindergarten nachfragen. Die Standorte der Kinderfreunde finden sich etwa unter http://wien.kinderfreunde.at
7. Mein Kind hat einen Platz. Aber wie wird es dort beschäftigt?
Ballspiele, Brettspiele, Exkursionen in Museen sowie auf Spiel- und Sportplätze und ins Bad – so beschreibt der Verein Wiener Kinderfreunde, der für die MA 10 einen Teil der Betreuung organisiert, sein Programm. Genützt wird häufig auch das Angebot des Wiener Ferienspiels, das am 3. Juli mit einem Fest in Oberlaa startet.
8. Wie steht es um die Betreuung von Kindergartenkindern?
Das ist in Österreich vor allem eine Frage des Bundeslandes – die sommerlichen Öffnungszeiten variieren stark, am meisten Schließtage gibt es in Tirol und in der Steiermark. Österreichweit hatten nach Erhebungen der Statistik Austria die Kindergärten im Sommer 2010 durchschnittlich 22,5 Tage geschlossen, den Schnitt gedrückt hat hier Wien mit lediglich 2,3 Schließtagen. Städtische Kindergärten bleiben den Sommer über geöffnet, vereinzelt gibt es Zusammenlegungen zu größeren Standorten oder solchen mit Garten.
9. Ich will mein Kind nur stundenweise beschäftigen. Wo geht das?
Als Aktivität mit Bildungseffekt bietet sich für 7- bis 12-Jährige die neunte Ausgabe der Wiener Kinderuni an. Wer mitmachen will, kann noch bis 7. Juli online einen Platz reservieren. Für über 120 Lehrveranstaltungen sind noch Plätze frei. Thematisch dominieren heuer die Naturwissenschaften mit Vorlesungen aus den Fachgebieten Chemie, Energie und Klima.
Bildung für Kinder bis 14 Jahre bieten auch die Wiener Kinderfreunde in einwöchigen Sommerakademien; Plätze sind noch vorhanden. Oder die Museen: Sommerliche Kinderführungen gibt es im Haus der Musik und im jüdischen Museum, künstlerische Workshops im Kunst Haus Wien.
10. Wie beliebt sind Feriencamps, und was kosten sie?
Rund 5000 Wiener Kinder nützen Feriencamps, wie Wolfgang Meister von der Plattform Ferien4Kids schätzt. Etwa 1.600 Kinder betreut „Champion Feriencamps“ pro Saison, ähnlich viele der Anbieter „Feriencamps“. Tendenz insgesamt: steigend. „Heuer sind es mehr Anmeldungen als im Vorjahr“, sagt Alfred Meindl, Geschäftsführer von „Feriencamps“, „immer mehr Eltern nehmen dafür das Kinderbetreuungsgeld in Anspruch.“ Und: Das Durchschnittsalter der Kinder sinkt. „Früher war der Altersschnitt elf Jahre, jetzt liegt er unter zehn Jahren.“ Kosten pro Woche: 200–400 Euro. Freie Plätze für Kinder zwischen 5 und 18 Jahren gibt es noch ab Mitte Juli, die Kinderfreunde bieten Restplätze für Kinder mit Handicap.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2011)