Wo die Wirtschaftskammer Geld anlegt, bleibt geheim

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Wiener Wirtschaftskammer hat sich verspekuliert, will aber ihre Anlagegeschäfte nicht veröffentlichen. Ihre Finanzanlagen, die mit den Pflichtbeiträgen der Mitglieder aufgebaut werden, machen 151 Mio. Euro aus.

Wien. Die Wiener Wirtschaftskammer (WKW) verfügt über viel Geld. Ihre Finanzanlagen, die mit den Pflichtbeiträgen der Mitglieder aufgebaut werden, machen 151 Mio. Euro aus. In welche Wertpapiere die Interessenvertretung konkret investiert ist, bleibt für Außenstehende geheim. „Wo kommen wir da hin? Es fragt doch auch niemand nach, worin die Stadt Wien veranlagt ist“, sagt Josef Schmidinger, Vorsitzender des WKW-Finanzausschusses. Schmidinger ist hauptberuflich Chef der S-Bausparkasse, einer Tochter der Erste Bank. „Wir haben nichts zu verbergen, doch eine gewisse Diskretion muss bleiben“, meint auch Kammerdirektor Heinz Wollinger. Würde man alle Details ins Internet stellen, könnte jeder nachvollziehen, mit welchen Banken die Kammer im Geschäft ist. „Das könnte unter Umständen dazu führen, dass sich andere Banken beschweren“, meint Wollinger. Es stehe aber jedem Mitglied frei, Anfragen zu stellen. „Und wir werden versuchen, diese so gut wie möglich zu beantworten“, versichert der Wiener Kammerdirektor.

 

Licht in die Kammerfinanzen

Die Nagelprobe erfolgt nächste Woche. Nach den missglückten Anlagegeschäften bei der insolventen Immobiliengruppe R-Quadrat wollen Vertreter der Grünen Wirtschaft „Licht ins Dunkel der Kammerfinanzen“ bringen, wie deren Bundessprecher Volker Plass erklärt. Kommenden Montag sollen die Grünen Einblick in das Wertpapierdepot der WKW erhalten. Allerdings dürften sie keine Belege kopieren. „Ich bin schon gespannt, ob wir wirklich alles vorgelegt bekommen“, so Plass. Die Grünen werden sich von der Kammer aber keinen Maulkorb umhängen lassen. „Sollten wir bei der Durchsicht auf weitere Unregelmäßigkeiten stoßen, werden wir selbstverständlich reagieren“, versichert Plass.

Der Finanzausschuss der WKW wusste nach eigenen Angaben nicht über einzelne Veranlagungen Bescheid. „Wir haben heuer im März zum ersten Mal über die Causa R-Quadrat gesprochen“, sagt Ausschussvorsitzender Schmidinger. Die Anlagegentscheidungen werden von der Kammerdirektion und der Finanzabteilung getroffen. „Der Finanzausschuss befasst sich mit dem Budget und den Jahresabschlüssen“, so Schmidinger. Auch Brigitte Jank, Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer, versicherte, nicht über die umstrittenen Wertpapierkäufe informiert worden zu sein.

In den Jahren 2006 bis 2008 kaufte die Kammer in mehreren Tranchen Anleihen der R-Quadrat/Metis-Gruppe. Betroffen davon sind die Pensionsfonds und Pensionskasse der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) mit acht Mio. Euro und Veranlagungen der Wirtschaftskammer Wien mit zehn Mio. Euro. Wie viel davon tatsächlich verloren ist, lässt sich noch nicht sagen.

Aus dem Emissionsprospekt der R-Quadrat Beta geht hervor, dass es sich um ein Investment mit „überdurchschnittlich hohen Risken“ handelte. Laut der Haushaltsordnung der Kammer ist bei solchen Geschäften aber nur ein geringes Risiko erlaubt. Wollinger bestreitet, mit dem Kauf der Wertpapiere gegen die internen Regeln verstoßen zu haben: „Wir wurden damals vom Vermögensverwalter IMB beraten und haben immer erklärt, dass wir nur ein geringes Risiko eingehen.“ Vom Naheverhältnis der IMB zu R-Quadrat habe man nichts gewusst.