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Wenn der US-Finanzminister ausrückt, um Europa zu erklären, wie der Kampf gegen die Schuldenkrise zu gewinnen sei, wird es spannend: Griechenland habe genug gelitten, die Europäer sollten ihr Füllhorn öffnen, riet Timothy Geithner der EU sinngemäß.

Wie weit man mit dieser Diätberatung à la Otto Wanz kommt, kann man sich in den USA ansehen. Die Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar hat das Land längst erreicht. Um zahlungsfähig zu bleiben, braucht Geithner den Freibrief der Opposition, neue Schulden machen zu dürfen. Gibt es bis 2. August keine Einigung, geht den USA das Geld aus. Auch in Sachen Regulierung könne Europas einiges von den USA lernen, sagte Geithner. So sei die Reform des Bankensektors in Europa unzureichend. Ein wahres Wort.

Nur was genau soll Europa von den USA, immerhin Epizentrum der Finanzkrise, lernen? Am ehesten, wie man sich ein Reformpaket verwässern lässt. Denn während Europa über das Regulierungspaket Basel III diskutiert, haben die USA nicht einmal das Vorgängermodell umgesetzt. Und auch von Barack Obamas groß angekündigter Finanzmarktreform ist nur noch wenig übrig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2011)

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