Das Programm der diesjährigen Styriarte kennt keine Scheu vor viel gespielten Titeln: »Kleine Nachtmusik« gegen »Träumerei«.
„Das Leichte ist das Schwere. Doch in diesem schweren Leichten beruht die Vorzüglichkeit des guten Geschmacks und seine Würze.“ Diesen Satz des Hofkapellmeisters Johann Joseph Fux macht sich die Styriarte 2011 zum Motto. Fux, Hofkomponist von Karl VI., wird mit einem eigenen Festkonzert geehrt. Sein Ausspruch inspiriert die Festspielplaner, scheinbar Leichtgewichtiges soll auf Substanz abgeklopft werden. Eine elegante Möglichkeit für die Intendanz, ungeniert die populärsten Titel aufs Programm zu setzen.
Harnoncourts Klangwolke. Wie schon in den vergangenen Jahren wird einer der Höhepunkte des Festivals auch heuer wieder nach Linzer Vorbild zur „Klangwolke“. Die Aufführung der „Verkauften Braut“ am 2. Juli wird von Radio Steiermark übertragen und einige Plätze im Land werden mit der Musik Smetanas beschallt. Beginn der um zwei Stunden zeitversetzten Übertragung ist um 21 Uhr. Wer die halb szenische Produktion der Oper auch sehen will, hat beim Public Viewing auf dem Grazer Landhaushof bei freiem Eintritt dazu Gelegenheit.
Nikolaus Harnoncourt, eine der beiden künstlerischen Leitfiguren der Styriarte, wird auch heuer wieder in Stainz dirigieren: Am 9. und 10. Juli steht Haydns „Caecilienmesse“ auf dem Programm. Im Übrigen bietet das Festival viele berühmt-berüchtigte Klassiktitel, ob Franz Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ (mit dem Quatuor Mosaiques am 18. Juli) oder Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, die tags darauf von Andrea Marcon und dem Venice Baroque Orchestra interpretiert werden.
Beethovens „Gassenhauer-Trio“ darf schon wegen seines Namens nicht fehlen, es erklingt am 10. Juli, musiziert von Martin Helmchen, Sabine Meyer und Heinrich Schiff.
Für Carl Orffs „Carmina Burana“ engagieren sich 300 steirische Schülerinnen und Schüler als Choristen. Die Aufführungen unter Oswald Sallaberger sind für 6. und 7. Juli in der List-Halle angekündigt.
Weiters und angesichts des Mottos sozusagen naturgemäß auf dem Wunschzettel: Schumanns „Träumerei“ oder Mozarts „Kleine Nachtmusik“. Überdies auch Joseph Haydns „Symphonie mit dem Paukenschlag“, die Nikolaus Harnoncourt im Verein mit den frühen „Tageszeiten“-Symphonien des Komponisten mit dem Concentus Musicus interpretieren wird (16./17. Juli).
„Neues Officium“ mit Garbarek. Musik, die erst in den vergangenen Jahrzehnten wirklich populär geworden ist, kann man bei der Styriarte 2011 auch erleben, etwa Klavierwerke von Erik Satie (mit Roland Pöntinen, heute, Sonntag, im Minoritensaal), oder auch Gregorianik, in der modern umspielten Variante, wie sie Jan Garbarek im Verein mit dem Hilliard Ensemble vor etwa 15 Jahren zum Welterfolg gemacht hat: Officium Novum richtet den Blick nun nach Osten. Armenische Kirchengesänge waren die Initialzündung. Von Johann Sebastian Bach gibt es die populärsten Titel für Tasteninstrumente, das „Wohltemperierte Klavier“ und die „Goldbergvariationen“, die für den Hörer freilich keineswegs einfacher zu konsumieren sind als etwa die „Hohe Messe in h-Moll“, die Jordi Savall, traditionsgemäß der zweite „Platzhirsch“ des steirischen Festivals, am 23. Juli dirigieren wird. Und zwar in der Kirche von Aflenz, die damit die Liste der Spielorte der Styriarte bereichert.
Tags zuvor präsentiert Savall Musik aus der Neuen Welt, allerdings nicht, wie man im Zusammenhang mit einem „Gassenhauer“-Festival denken könnte, Antonín Dvořáks populäre Neunte Symphonie, sondern Musik aus den ersten Jahrhunderten nach der Entdeckung Amerikas, was einer akustischen Entdeckungsreise für aufmerksame Musikfreunde gleichkommt.
Professionelle Tänzer begleiten heuer die Veranstaltungen mit bewegten Parallelaktionen: Passend zur „Verkauften Braut“ gibt es im Rahmen einer sogenannten „Polka Rallye“ böhmische Tänze, aber dann auch amerikanische Tänze und steirische Rhythmen. Interessenten sind angehalten, dabei selbst mitzumachen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2011)