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Sexuelle Nötigung? Anzeige gegen "Missio"-Direktor

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Maasburg: Anzeige gegen "Missio"-NationaldirektorBilderbox
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Leo Maasburg soll eine Frau zu sexuellen Handlungen genötigt haben, der Nationaldirektor von "Missio Austria" bestreitet diese Vorwürfe. Schönborn soll laut Sachverhaltsdarstellung informiert gewesen sein.

Gegen den Leiter der Päpstlichen Missionswerke ("Missio"), Leo Maasburg, ist Anzeige wegen sexueller Nötigung erstattet worden. Mutmaßliches Opfer ist eine heute 45-jährige ehemalige Vertraute des prominenten Geistlichen. Die Frau, die vom Wiener Anwalt Werner Schostal vertreten wird, hat dieser Tage eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien übermittelt. Darin heißt es auch, dass Kardinal Christoph Schönborn über die Vorfälle informiert gewesen sein soll. Eine weitere Anzeige richtet sich gegen einen Schulseelsorger in Tirol, der die Frau als Minderjährige missbraucht haben soll.

Maasburg weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Nötigung mit aller Entschiedenheit zurück. In einer Aussendung unterstreicht er: "Tatsache ist lediglich, dass es mit Frau A. vor Jahren eine freundschaftliche Bekanntschaft gab. Frau A. war zum Zeitpunkt unserer Bekanntschaft bereits volljährig. Es gab nie eine sexuelle Beziehung. Es ist nie zu einer Nötigung und mir gegenüber auch nie zu einem Vorwurf dieser Art gekommen". Maasburg ortete Verleumdungen und ungerechtfertigte Unterstellungen und verwies auf einen Gerichtsgutachter, der bei der Frau einen dringenden Stalkingverdacht geäußert hatte.

Übergriffe während Dienstzeit

Laut Sachverhaltsdarstellung, die Schostal für das mutmaßliche Opfer, verfasst hat, soll sich 1994 Folgendes zugetragen haben: Mehrmals soll es laut Schilderung der Frau, die von Maasburg unter anderem mit dem Aufbau eines katholischen Radiosenders betraut worden war, zu sexuellen Übergriffen gekommen sein, unter anderem in Bayern und auch in einer Wiener Wohnung, wie es in der Sachverhaltsdarstellung heißt. Da sich die Vorfälle bereits 1994 ereignet haben sollen, muss allerdings noch geklärt werden, ob der Fall strafrechtlich nicht bereits verjährt ist. Maasburg bestreitet in einer Aussendung jemals Vorgesetzter oder Arbeitgeber des mutmaßlichen Opfers gewesen zu sein.

An der Geschichte ist "nichts dran"

Für den Sprecher von "Missio", Eugen Waldstein, ist an den Vorwürfen "nichts dran". Er sprach von einem Gutachten, das man selbst habe einholen lassen und das den Geistlichen und früheren Begleiter und Beichtvater von Mutter Teresa entlaste. Waldstein verwies auch auf einen angeblich psychisch labilen Zustand der Frau, den dieses Gutachten ebenfalls bestätige. Im Falle von öffentlichen Anschuldigungen stellte Waldstein rechtliche Schritte in Aussicht.

Bereits als Minderjährige soll es bei der Frau zu sexuellen Übergriffen durch einen anderen Geistlichen in Tirol gekommen sein, was dieser in einem Schreiben auch zugegeben hat. Vor wenigen Tagen sei zudem ein weiteres Entschuldigungsschreiben des Mannes eingelangt, erklärte ein Betreuer der Frau.

Keine Antwort aus dem Vatikan

Mehrmals wandte sich das mutmaßliche Opfer an kirchliche Einrichtungen, um auf den angeblichen Missbrauch aufmerksam zu machen. Erstmals 1994 an den damaligen Wiener Weihbischof Christoph Schönborn, wie die Frau im November 2010 in einem Schreiben an die Glaubenskongregation in Rom berichtete: "Der Weihbischof hat mich zwar beruhigt, dann aber wieder weggeschickt. Bei späteren Begegnungen hat mich der Herr Kardinal nie darauf angesprochen." Eine Antwort aus dem Vatikan ist bisher ausgeblieben.

2007 wandte sich die Frau schließlich an die Ombudsstelle der Erzdiözese Wien. Deren Leiter meinte in einer Stellungnahme an das mutmaßliche Opfer via E-Mail: "Nach meiner Einschätzung (...) handelte es sich vermutlich um sexuelle Nötigung. Letztgültig kann das aber nicht von Fachleuten beurteilt werden, sondern nur von einem Gericht, da es sich um den Vorwurf eines Straftatbestandes handelt."

Gegenüberstellung mit Psychiater

Im selben Schreiben kündigt die Ombudsstelle an, Schönborn die Akten über den Fall weiterzuleiten. Weiters heißt es in dem Mail-Verkehr: "Ich weiß nicht, ob der Herr Kardinal zuerst die Bearbeitung durch die Kommission abwarten möchte oder bereits vorher auf Ihre Fragen und Bitten reagiert." Schließlich sei es zu einer Gegenüberstellung des mutmaßlichen Opfers mit Maasburg in Begleitung eines Psychiaters gekommen, was die Erzdiözese Wien auch bestätigt.

Schönborn pocht auf Beichtgeheimnis

Kardinal Christoph Schönborns Sprecher, Michael Prüller, erklärte, dass es bereits 1994 Kontakt mit Schönborn gegeben habe, allerdings habe es sich um ein Beichtgespräch gehandelt. Aus diesem Grund habe man auch das Beichtgeheimnis einhalten müssen, ein offenes Gespräch über die angeblichen Vorkommnisse habe es hingegen nicht gegeben. Zudem ist man in der Erzdiözese nicht der Ansicht, dass es sich um Missbrauch gehandelt habe: Die Frau sei zum Zeitpunkt der angeblichen Übergriffe volljährig gewesen, mündig und in der Lage, sich an ein Gericht zu wenden. Die Frau selbst sieht dies anders und erklärte, dass es sich bei dem Gespräch mit Schönborn um kein Beichtgespräch gehandelt habe.

"Im Zweifel" für die Therapie

Auch an die von Schönborn eingesetzte Opferschutzanwaltschaft unter dem Vorsitz von Waltraud Klasnic wurde der Fall weitergeleitet. Diese hat der Frau eine Therapie am Knappenhof in der Höhe von 11.369 Euro zugesprochen, allerdings keine finanzielle Entschädigung. Schönborns Sprecher betonte, dass dies "im Zweifel" geschehen sei, da sich die Frau in einem psychisch labilen Zustand befunden habe und "Gefahr im Verzug" gewesen sei.

Maasburg bestreitet die Vorwürfe

In der Sachverhaltsdarstellung wird Schönborn laut Schostal "Unterlassung der Verhinderung einer mit Strafe bedrohten Handlung" (§ 286 StGB) vorgeworfen. Im Falle Maasburgs beziehungsweise des anderen Geistlichen laute der Vorwurf nach Angaben des Anwalts des mutmaßlichen Opfers "Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses" (§ 212 StGB), "geschlechtliche Nötigung" (§ 202 StGB) sowie "sexueller Missbrauch einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Person" (§ 205 StGB).

Maasburg, der die Vorwürfe bestreitet, ist seit 2005 Nationaldirektor von "Missio Austria". Zuvor war er Priester der Erzdiözese Wien und enger Vertrauter sowie Beichtvater von Mutter Teresa, in deren Seligsprechung er involviert war. Maasburg galt darüber hinaus als einer der Favoriten für die Nachfolge des Grazer Diözesanbischofs Egon Kapellari, bevor dessen Amtszeit vom Vatikan nochmals verlängert wurde.

Tiroler Pater suspendiert

Ein Tiroler Franziskanerpater steht im Verdacht, die 45-Jährige als Minderjährige im Vatikan missbraucht zu haben. Er wurde am Wochenende von seiner Funktion als Schulseelsorger suspendiert, berichtete die "Tiroler Tageszeitung". In einem Brief an die Ombudsstelle Innsbruck, welcher der APA vorliegt, bekannte sich der Pater vor Monaten schuldig. Sein Geständnis soll der Franziskanerpater jedoch wieder zurückgezogen haben. Der Orden will laut "TT" den Fall prüfen und überlegt, nach den erst kürzlich erlassenen Richtlinien der Bischofskonferenz zu Missbrauchsfällen selbst Anzeige zu erstatten.

 

(APA)