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Der Aufstieg des Fünfers

Das Modell der modularisierten Oberstufe hätte man jene darstellen lassen sollen, die es ausgearbeitet haben: die Gymnasien.

 

Brauchen wir einen Arabischen Frühling in unserer Schulpolitik? Soll der gemeine Lehrer zum nassen Fetzen greifen und damit allen Politikern und Journalisten vors Maul klatschen, sobald sie zur Debatte um die modularisierte Oberstufe anheben? Denn nur um eine solche geht es. Nicht um ein Aufsteigen mit wie vielen Fünfern auch immer.

Diese politisch lancierte Schlagzeile mag ein PR-Gag sein, hat aber nur jene auf den Plan gerufen, die glauben, den Leistungsgedanken verteidigen zu müssen (wohl, wenn er nicht auf sie selbst angewendet wird). Und so befindet sich das Land in einer politischen – und damit kontraproduktiven – Debatte um ein Thema, das man jene hätte darstellen lassen sollen, die es ausgearbeitet haben: die Gymnasien. Die modularisierte Oberstufe ist dort entwickelt worden, unter Selbstausbeutung der Lehrer und dem Diktat der Kostenneutralität. Damit unterscheidet sich die modularisierte Oberstufe von all jenen Reformen, die seit Jahren mit hohem Aufwand in verschiedenen Gremien ausgetüftelt werden. Unterm Strich geht es dort immer um Prüfungen, für deren administrativen Mehraufwand der Popanz Vergleichbarkeit bemüht wird. Das wollen angeblich Wirtschaft und Unis. Didaktisch und pädagogisch überzeugt es nicht. Kinder lernen weder durch Standards, Zentralmatura oder durch die Mittlere Reife mehr oder besser. Steckte man dieses Geld direkt in Förderungen, käme wahrscheinlich mehr heraus.

Die modularisierte Oberstufe ist genauso wenig die große Reform wie die Neue Mittelschule. Sie leistet aber strukturell die Anpassung an die Zentralmatura und bietet – wenn nicht jeder Oberfuzzi seine Spuren hinterlassen muss – einen flexibleren Rahmen für Lehrer und Schüler im Angebot frei wählbarer Bildungsangebote. Ein zentraler Bildungskanon ist durch standardisierte Pflichtmodule abgesichert. Die Organisation in Module ermöglicht den flexibleren Umgang mit negativen Abschlüssen, sodass das Problem des Klassenwiederholens entschärft ist.

Keinesfalls steht das im Widerspruch zum üblichen Kontroll- und Klassifizierungswahn. Aufsteigen wird nicht leichter. Die großen Nachteile liegen im hohen administrativen Aufwand (Schüler müssen professionell gecoacht werden, um da durchzufinden) und der frühen Festlegung von Lerninhalten (Schüler müssen die Angebote im Jahr davor auswählen).

Fazit: Nach Abwägen von Vor- und Nachteilen erscheint die modularisierte Oberstufe moderner und schülerfreundlicher. Die Erfolgsformel für die Reform: Schulen machen lassen, ausfinanzieren, einführen! Politik raus!

 

E-Mails an: lehrer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2011)