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Kritik an Lehrerbildung neu: Zu wenig Fachkompetenz

Kritik Lehrerbildung wenig Fachkompetenz
(c) Fabry
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Die neue Lehrerausbildung baue zu sehr auf pädagogische Kompetenzen auf, die Eingangsauslese und die Fortbildung würden hingegen vernachlässigt, kritisiert Bildungsexperte Georg Neuweg.

Wien. Sie ist eines der großen bildungspolitischen Projekte der Regierung: die Lehrerbildung neu. Obwohl der Endbericht der Vorbereitungsgruppe unter der Leitung von Andreas Schnider noch nicht präsentiert wurde, übt nun Wirtschaftspädagoge Georg Neuweg – und damit ausgerechnet einer der Verfasser des Nationalen Bildungsberichts 2009, der als Grundlage für die Lehrerbildung neu diente – Kritik an den Reformplänen. Denn bereits die ersten Ankündigungen Schniders seien Grund genug zur Sorge:

• Fehlende empirische Befunde: Die Konzepte zur neuen Lehrerausbildung würden generell zu wenig auf einschlägigen Expertisen aufbauen, empirische Befunde seien Mangelware, sagt Neuweg. Außerdem übt er harte Kritik an der Zusammensetzung der Vorbereitungsgruppe: Diese zeige die generell „unterentwickelte Sensibilität für die Grenzlinie zwischen Sachexpertise und Politik“.

• Zu wenig Fachkompetenz: Bereits jener Endbericht, auf welchen die Vorschläge Schniders aufbauen, habe sich zu sehr auf die pädagogische Ausbildung konzentriert und die fachdidaktische sowie die fachliche Ausbildung vernachlässigt, sagt Neuweg. Forschungsberichte zeigen, dass fachliche Kompetenzen eng mit den fachdidaktischen zusammenhängen – und damit auch mit der Leistung der Schüler.

Die Lehrerausbildung des bei PISA sehr erfolgreichen Landes Taiwan konzentriert sich zu 75 Prozent auf das Fach und seine Didaktik. Der Endbericht zur Lehrerbildung neu würde dafür nur 30 Prozent vorsehen, kritisiert Neuweg. Der endgültige Bericht dürfte gar nur noch einen Mindestanteil an pädagogischer Ausbildung festlegen, einen fachlichen oder fachdidaktischen solle es gleich gar nicht geben, befürchtet Neuweg. Das sei vor allem deshalb fatal, da Defizite in der fachlichen Ausbildung in der Fortbildung – im Gegensatz zur pädagogischen – kaum kompensierbar seien.

• Falsche Gewichtung: Generell werde bei der Reform zu großes Augenmerk auf die Grundausbildung gelegt. Im Vergleich dazu wären die Eingangsauslese sowie die Fortbildung „mächtige Hebel“, sagt Neuweg. Damit die Ausbildung tatsächlich nur die am besten geeigneten Kandidaten absolvieren, sei es dringend notwendig, den Lehrberuf offensiver zu bewerben. Die Fortbildung ist deshalb essenziell, da Lehrer bis zu vier Jahrzehnte lang in ihrem Beruf bleiben. Es gehe darum, diese auf dem neuesten Stand zu halten. Außerdem sei die Fortbildung vor allem bei der Entwicklung pädagogischer Fähigkeiten „unglaublich mächtig“, so Neuweg. Denn dann können pädagogische Konzepte mit der eigenen Erfahrung verknüpft werden.

• Bologna-Architektur: Neuweg zweifelt daran, dass die geplante Bologna-Architektur bei der Lehrerausbildung tatsächlich sinnvoll sei. Denn: es mache wenig Sinn, die Ausbildung in ein Bachelor- und ein Masterstudium zu teilen, wenn vorgesehen ist, dass ohnehin alle den Master absolvieren.

• Pädagogische Hochschule: Für den Wandel der PH zur „pädagogischen Uni“ fehle ein klares Konzept, kritisiert Neuweg. Alle bisherigen Vorschläge seien zu vage. Es gebe weder klare Forschungsaufträge noch genügend Autonomie für einen derartigen Schritt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2011)