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Prähistorische Pfahlbauten der Alpen sind Weltkulturerbe

Prähistorische Pfahlbauten der Alpen sind Weltkulturerbe
Prähistorische Pfahlbauten der Alpen sind WeltkulturerbePfahlbauten in den Alpen (c) commonmedia
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111 Stätten in sechs Ländern, darunter fünf in Österreich, sind von der UNESCO geschützt. Die Maßnahme fördert die "Entwicklung adäquater Schutzmaßnahmen", sagt Kulturministerin Claudia Schmied.

Die prähistorischen Pfahlbauten der Alpen genießen künftig als Weltkulturerbe besonderen Schutz. Das Welterbekomitee der UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) stimmte am Montag einem Gemeinschaftsantrag mehrerer europäischer Länder, darunter Österreichs, zu. Sie hatten insgesamt 111 Pfahlbauten und Relikte prähistorischer Siedlungen für die Weltkulturerbeliste nominiert, darunter fünf aus Österreich. Die Fundstellen sind nun die ersten archäologischen Unterwasser-Denkmäler mit dem begehrten Welterbe-Titel.

Förderung der Forschung

Die Pfahlbaureste stammen nach Angaben von Archäologen aus der Zeit von 4300 bis 800 vor Christus und haben unter Wasser oder in feuchten Böden bis heute überdauert. Von dem Titel versprechen sich Experten unter anderem eine bessere Erforschung. Nur ein sehr kleiner Teil der Pfahlbausiedlungen ist bisher wissenschaftlich untersucht worden. Eingriffe des Menschen wie die Uferverbauung oder der Klimawandel beispielsweise am Bodensee führten hingegen dazu, dass Pfahlbau-Reste freigespült und damit zerstört würden.



Insgesamt bekamen 111 Fundstätten mit Siedlungsspuren aus der Stein- und Bronzezeit in sechs Alpenländern den begehrten Welterbe-Titel. Die Siedlungsspuren aus der Stein- und Bronzezeit befinden sich nach Angaben der deutschen UNESCO-Vertretung in Paris in Seen und Mooren. Anders als in normalen Trockenbodenfundstellen sind dort organische Materialien wie Holz, Textilien, Pflanzen und sogar Essensreste erhalten. In der Siedlung Hornstaad-Hörnle - an der Spitze der in den Bodensee ragenden Halbinsel Höri gelegen - ist der älteste Hausgrundriss aus dem Jahr 3915 vor Christus nachweisbar.

Eine dort gefundene Scheibe aus Kupfer soll zu den frühesten Metallfunden in Mitteleuropa zählen. Perlen aus Kalkstein und zugehörige "Spezialbohrer" ließen eine spezialisierte Perlenindustrie erkennen, berichtete die Unesco-Vertretung. Aus Bodman-Ludwigshafen stammten Teile eines Kulthauses (um 3860 vor Christus) mit plastisch geformten und bemalten Brüsten, die ursprünglich an einer Hauswand angebracht waren.

Schmied: "Große Chance"

Neben den fünf österreichischen Stätten wurden Pfahlbauten in der Schweiz, welche die Federführung in der Bewerbung übernommen hatte, in Deutschland, Frankreich, Italien und Slowenien unter Schutz gestellt. Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) zeigte sich erfreut: "Die Aufnahme der Pfahlbauten auf die UNESCO-Welterbeliste fördert die Entwicklung adäquater Schutzmaßnahmen und Managementkonzepte der Fundstellen, die durch natürliche Umweltveränderungen und menschliche Eingriffe gefährdet sind", sagte sie in einer Aussendung. "Das Netzwerk aller Alpenländer, in denen Pfahlbausiedlungen erhalten sind, bietet die großartige Chance, Vergangenes und Gegenwärtiges miteinander zu verbinden."

Die Fundstellen aus Österreich sind die Pfahlbausiedlung inmitten des Keutschacher Sees südlich des Wörthersees in Kärnten sowie weitere vier Stätten in Oberösterreich, drei im Attersee in den Gemeinden Attersee und Seewalchen (Abtsdorf I und III, Litzlberg Süd) und eine im Mondsee (See im Mondsee). Die Pfahlbauten in Österreich gehen auf die Jungsteinzeit beziehungsweise auf die Bronzezeit zurück.

(Ag.)