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Niederlande verbieten das Schächten

Muslime und Juden liefen gemeinsam Sturm gegen den Parlamentsbeschluss.

Den haag/Apa/Dpa. Die heftigen Proteste von Muslimen und Juden haben nichts genützt: Dienstagabend verbot das Parlament der Niederlande mit deutlicher Mehrheit das Schächten von Tieren, also das Schlachten ohne Betäubung. Das Schächten ist Gläubigen sowohl im Islam als auch im Judentum vorgeschrieben.

Der Beschluss sei „ein Schlag nicht allein für die Juden, sondern für alle Gläubigen, denn er steht im Widerspruch zur Religionsfreiheit“, sagte Ronnie Eisenmann, Sprecher der jüdischen Gemeinde von Amsterdam. Die Organisation „Muslime und Regierung“ erklärte, durch das Verbot würden Muslime und Juden vom Staat „abqualifiziert als Menschen, die etwas Schlechtes tun“.

Das Gesetz sieht allerdings die Möglichkeit von Ausnahmegenehmigungen vor. Diese können erteilt werden, wenn der Antragsteller nachweist, dass das Schächten ohne zusätzliches Leid, verglichen mit erlaubten Schlachtmethoden, ausgeführt wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2011)