Die Österreicher legen monatlich im Schnitt 63 Euro für ihre Altersvorsorge beiseite. Risken bei der Veranlagung will aber kaum jemand eingehen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK.
Wien/Nst. Zwischen Vorstellung und Realität liegen oft Welten– das ist in vielen Bereichen so. Auch in der Vorsorge. Zwar glauben nur 29 Prozent der Österreicher, dass ein Sparbuch als Vorsorgeprodukt am besten geeignet wäre. Dennoch besitzen 67 Prozent der Österreicher eines. Beim Bausparvertrag verhält es sich ähnlich. Auch bei der Lebensversicherung: Während 47 Prozent angeben, eine Lebensversicherung abgeschlossen zu haben, sind nur 33 Prozent der Ansicht, dass es sich hier um die beste Altersabsicherung handeln würde. Das ist beachtlich: Immerhin gab es im Vorjahr mehr als zehn Millionen Lebensversicherungsverträge.
Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK, die im Auftrag der Erste Bank und der S-Versicherung unter 1000 Befragten durchgeführt wurde. Demnach legen die Österreicher im Schnitt 63 Euro im Monat für ihre Altersvorsorge beiseite. Männer wenden monatlich 67 Euro für ihre Altersvorsorge auf – und damit mehr als Frauen, die 59 Euro im Monat investieren. Dies kann auf geschlechterspezifische Einkommensunterschiede zurückgeführt werden.
Keine Ahnung vom Pensionsloch
Geht es darum, das Geld risikoreich zu veranlagen, sind die Österreicher traditionellerweise zurückhaltend. So gibt die Hälfte der Befragten an, kein oder nur ein geringes Risiko bei der finanziellen Vorsorge eingehen zu wollen. 46 Prozent bevorzugen Produkte mit Kapitalgarantie– vor allem Männer. Rund ein Viertel der Befragten legt Wert auf hohe Renditen. Die Mehrheit der jungen Arbeitnehmer (unter 30 Jahre) meint, dass man schon zu Beginn des Erwerbslebens privat für die Pension vorsorgen sollte, wie eine Studie der Pensionskassen zeigt.
Aber: Nur 37 Prozent (zwischen 15 bis 60 Jahre) der GfK-Befragten glauben, dass die private Vorsorge ausreichen wird, um den gewohnten Lebensstandard aufrechterhalten zu können. Ein Drittel ist der Ansicht, dass die Differenz zwischen dem aktiven Einkommen und der künftigen Pensionszahlung monatlich zwischen 400 bis 800 Euro betragen wird. Befragte unter 29 Jahren schätzen diese Lücke tendenziell größer ein – Männer ebenso. Die Erste Bank rechnet bei einem durchschnittlichen Arbeitnehmer zwischen 30 und 45 Jahren aber mit einem Verdienstentgang von 800 bis 1000 Euro.
Was das Pensionsloch genau ist, wissen 25 Prozent der Befragten nicht. 37 Prozent können die richtige Antwort geben: Es handelt sich um die Differenz zwischen Aktiveinkommen und Pension. In Österreich kommen aber immerhin 92 Prozent der Pensionsleistungen vom Staat. 4,5 Prozent stammen aus der sogenannten zweiten Säule, der betrieblichen Vorsorge. Der Rest wird durch private Vorsorge abgedeckt.
Wenn es darum geht, mehr über die Pension herauszufinden, würden sich 38 Prozent an die Pensionsversicherungsanstalt werden, gefolgt von Versicherungen, Banken und Anlageberatern. Handelt es sich um allgemeine Finanzfragen (Sparen, Kredite usw.) beziehen die meisten ihre Informationen vom Bankberater. Dann kommt schon die Familie: Jeder Zweite speist sein Wissen über diese, Bekannte oder Freunde.
Was Sie beachten sollten bei... Vorsorge
Tipp 1
Drei Säulen. Neben der staatlichen Pension gibt es die betriebliche Vorsorge (etwa Pensionskassen) und die private Vorsorge: Mit der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge haben viele Anleger aber schlechte Erfahrungen gemacht: Die Erträge für das bisher einbezahlte Kapital sind niedrig. Man sollte daher auch auf andere Anlageformen setzen.
Tipp 2
Streuung. Auch wenn man primär für das Alter vorsorgen will, schadet es nicht, einen Teil seiner Ersparnisse griffbereit zu haben, sodass man bei Bedarf darauf zugreifen kann. Bei der Zukunftsvorsorge oder bei Lebensversicherungen ist der vorzeitige Ausstieg schwierig und teuer. Wer kann, sollte einen Teil selbst in Aktien, Fonds oder Gold stecken.
Tipp 3
Polster. Da man auch aus Aktien und Fonds nicht jederzeit mit Gewinn aussteigen kann, sollte man drei Monatsgehälter überhaupt kurzfristig veranlagen. Es ist jedoch davon abzuraten, das Geld auf dem Girokonto schlummern zu lassen, da die Zinsen minimal sind. Direktbanken zahlen etwas höhere Zinsen. Der Notgroschen sollte stets behebbar sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2011)