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Religionslehrerin schreibt Kirchenkritik in Kirchenblatt

Religionslehrerin schreibt Kirchenkritik Kirchenblatt
Symbolbild(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Im "Rupertusblatt" der Diözese Salzburg kritisiert die Lehrerin, dass der Kirche die Gesetze wichtiger sind als die Menschen. Erzbischof Kothgasser hat die Frau gemaßregelt.

Eine Religionslehrerin hatte in der Kirchenzeitung "Rupertusblatt" der Erzdiözese Salzburg einen kirchenkritischen Kommentar geschrieben und wurde nun von Erzbischof Alois Kothgasser gemaßregelt. Die Lehrerin hatte kritisiert, dass der Kirche das Gesetz oft wichtiger sei als der Mensch. Dass ein Evangelienkommentar für einen kirchenpolitischen Diskurs verwendet werde, sei nicht akzeptabel, reagierte der Oberhirte laut katholischem Internetmagazin "kath.net".

Die Religionslehrerin hatte im Kommentar zum Sonntagsevangelium - es ging unter anderem um die Aussendungsrede Jesu und um die Nachfolge - an Franz Jägerstätter erinnert, der im 2. Weltkrieg den Wehrdienst verweigerte und dafür hingerichtet wurde. "Damals wie heute hat es oft massive Konsequenzen, dem Auftrag Jesu zu folgen. Wie oft getrauen wir uns aus Angst nicht, diese Botschaft Jesu voll und ganz zu leben? Auch die Kirche ist davon nicht ausgenommen", schrieb sie. Und weiter: "Wer die Gesetze der Kirche mehr liebt als den Auftrag Jesu, ist seiner nicht würdig. Viele persönliche Verletzungen passieren leider auch in der Kirche, weil uns das Gesetz wichtiger ist als der Mensch (Rolle der Frau, Wiederverheiratete-Geschiedene, Zölibat,...)."

Es sei durchaus auch Zweck von Evangelienkommentaren zu vermitteln, was das Schriftwort in der heutigen Zeit bedeute. Bei den besagten Kommentaren handle es sich aber "eindeutig um einen Missbrauch dieser Intention", sagte Kothgassers Sekretär Otmar Stefan im Auftrag des Erzbischofs. Dass ein Evangelienkommentar für einen kirchenpolitischen Diskurs verwendet werde, sei nicht akzeptabel. "Es scheinen hier theologische und spirituelle Defizite vorzuliegen, denen nachgegangen werden muss", zitiert das Magazin, dessen Angaben Otmar Stefan am Mittwochnachmittag gegenüber der APA bestätigte.

Von der Chefredaktion sei offenbar die gebotene Aufmerksamkeit verabsäumt worden, "in der Meinung, dass eine Religionslehrerin und Pastoralassistentin den unverzichtbaren Anforderungen" entspreche. Für Kothgasser bestehe "ohne Zweifel ein dringender Gesprächsbedarf, dem selbstverständlich nachgekommen werde, damit so etwas nicht mehr passiere". Ob und welche Konsequenzen es für die Lehrerin gebe, könne er nicht sagen, sagte der Sekretär zur APA. "Eines ist laut Erzbischof klar: Es wird sicher ein Gespräch mit der Religionslehrerin stattfinden. Sie hat ein Problem, und wir auch." Ihre Aussagen könnten nicht so hingenommen werden, es gebe viel Aufregung unter den Gläubigen, erklärte Stefan.