Die Herkunft von importiertem Strom soll künftig gekennzeichnet werden, so ein Ergebnis des aktuellen Energiegipfels. Dabei beeinflussen vor allem die Kunden die Einfuhr von Atomstrom, der sich oft im "grauen Strom" verbirgt.
Ohne Absender: Derzeit fließen 17,5 Prozent an Strom nach Österreich, dessen Herkunft nicht nachweisbar ist. Das stellt Christian Schönbauer von der Regulierungsbehörde E-Control fest. Doch nicht nur das Ausgangsland, auch die Art des Stromes ist vielen unbekannt: "Wenn Lieferanten Strom von Strombörsen zukaufen, ist nicht mehr eindeutig zuordenbar, aus welchen Energieträgern dieser erzeugt wurde", erklärt Schönbauer. Momentan liegt der Anteil des Atomstroms bei rund 6 Prozent.
Eigentlich müssten die Lieferanten ihren Kunden mitteilen, wieviel von dem "grauen Strom" aus Atomenergie kommt, so Schönbauer. Allerdings "tun sie das teilweise im Kleingedruckten, sodass es für den normalen Konsumenten nicht mehr erkennbar ist". Die neue Stromkennzeichnungsverordnung, die bis Ende Juli in Begutachtung ist, soll Abhilfe schaffen.
Einen Änderungsbedarf im Gesetz sieht der Ökoenergieexperte nicht gegeben: "Wenn keiner mehr Atomstrom will, wird keiner mehr importiert werden."
Graustrom weiter im Gepäck
Einige Börsen überlegten bereits, den Verkäufern Herkunftsnachweise zu ermöglichen, die mit dem Strom mitverkauft werden können. Bis zur Umsetzung konkreter Maßnahmen, werden große Stromkonzerne den Graustrom aber weiterhin im Gepäck haben, so Schönbauer.
Dies bedeute nicht, dass dieser an die heimischen Haushalte verkauft werden müsse. So hätten Anbieter wie der Verbund auch abseits von der an der Börse erworbenen Elektrizität genug Strommengen - etwa aus der Wasserkraft - für den österreichischen Markt über. Die großen Energiekonzerne "verkaufen ja auch Strom an andere Länder und handeln untereinander".
Ganz eliminieren könne man den grauen Strom dennoch nicht, meinte der Experte. "Faktum ist: Es gibt Strombörsen. Und die will seriöserweise auch niemand verbieten."
Kunden beeinflussen Atomstromimport
Das Zünglein an der Waage, wenn es um den Import des Atomstromes geht, stellen die Kunden dar. Daher macht es für den Experten keinen Sinn, hier per Gesetz etwas zu verbieten: "Ob jemand spanische oder italienische Tomaten kauft, wird man nicht im Gesetz festmachen können."
Das beim heutigen Energiegipfel festgelegte Ziel, künftig keinen Strom unbekannter Herkunft mehr zu importieren, kann Schönbauer zufolge nur mit einer Stromkennzeichnungsverordnung erreicht werden. Diese enthalte strenge Vorgaben über die Art der Stromkennzeichnung. Handlungsbedarf sieht er auch auf europäischer Ebene: "Ein Drittel der europäischen Länder führt keine Stromkennzeichnung durch. Das ist sicher eine große Lücke."
(APA)