SPÖ-Homepage gehackt: "Hitler" hat Passwort "gusi"

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Hacker-Angriff auf den Internetauftritt der SPÖ, zahlreiche Userdaten wurden veröffentlicht. Auch die FPÖ-Homepage wurde lahmgelegt.

Wien. Nach dem Weltkonzern Sony, der Nato und dem amerikanischen Geheimdienst CIA wendet sich die Hacker-Community nun auch kleineren Zielen zu: In der Nacht auf Freitag wurden die Homepages der SPÖ und der FPÖ angegriffen. Auf der Startseite der SPÖ waren das Logo der Hackergruppe Anonymous sowie ein salutierendes Pony zu sehen. Weiters veröffentlichten die Hacker rund 600 Usernamen und die dazugehörigen Passwörter. Die Homepage war danach stundenlang außer Betrieb und musste umprogrammiert werden.

Die FPÖ kam etwas glimpflicher davon: Den Hackern gelang es, die Server lahmzulegen, wodurch die Seite zeitweise nicht aufrufbar war. Von einem Überwinden des Sicherheitssystems und einem Hacken der Inhalte könne aber keine Rede sein, erklärte FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl.

AnonAustria, der österreichische Ableger von Anonymous, hat am Freitag eine Presseerklärung veröffentlicht, in der es heißt, man habe die Internetseite der FPÖ lahmgelegt und die der SPÖ „verschönert“. Die Begründung: Die SPÖ lasse in ihren Aktionen nichts Soziales mehr erahnen und habe ihren Auftrag vergessen.

Bei der FPÖ wird auf die „rechtsextreme und xenophobe Ausrichtung“ verwiesen. Die Partei müsse „am eigenen Internetleib spüren, wie es ist, abgeschoben zu werden.“ Ziel von Anonymous ist es nach eigenen Angaben, „gegen Korruption und Machtmissbrauch anzutreten“. Man will durch die Aufdeckung von Geheimnissen für mehr Transparenz sorgen.

 

Unverschlüsselte Passwörter

Heikel ist die Veröffentlichung der Nutzerdaten: Die SPÖ hat offensichtlich die Passwörter unverschlüsselt abgespeichert. Das ist zwar für die Aktivitäten auf der SPÖ-Homepage ohne Belang, da diese jetzt geändert werden müssen. Problematisch könnte es aber für jene User werden, die auf vielen Seiten immer das gleiche Passwort verwenden. Die Anonymous-Aktivisten gaben auch gleich den Tipp, die Daten zum Durchstöbern von Facebook-Profilen zu nutzen.

Betroffen von der Veröffentlichung sind zahlreiche SPÖ-Mitarbeiter sowie Medienvertreter. Auch der Name eines FPÖ-Funktionärs findet sich unter den SPÖ-Nutzern. Und ein User, der sich mit der Adresse adolf@hitler.com eingeloggt hat. Sein Passwort lautet übrigens „gusi“. Generell offenbaren die Passwörter einen fahrlässigen Umgang mit dem Thema Sicherheit: Vom Vornamen der Nutzer bis zum Klassiker „12345“ sind viele simple Zeichenfolgen vertreten.

Die SPÖ zeigte sich am Freitag verwundert, warum man zum Ziel der Hacker geworden war, hätten sich diese doch dem Kampf gegen das Großkapital verschrieben, und da fühle man sich nicht angesprochen. Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas sprach im ORF-Mittagsjournal von einer „Sauerei“. Die SPÖ überlegt rechtliche Schritte gegen die – allerdings noch unbekannten – Täter. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung hat Ermittlungen aufgenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2011)