Timothy Geithner stand im Kreuzfeuer von rechts und link und ist amtsmüde, eine Demission im Herbst wird damit wahrscheinlich. Es gibt einige Nachfolgekandidaten, auch Wall-Street-Banker Jamie Dimon ist im Gespräch.
Washington. vierWashington. Timothy Geithner hatte gerade seine Rede im Rahmen der „Clinton Global Initiative“ in Chicago beendet, da stellte ihm sein Ex-Chef Bill Clinton eine „Pressefrage“, die vielen auf der Zunge lag: Ob es denn wahr sei, dass sich der Finanzminister mit dem Gedanken eines Rücktritts trage? Geithner dementierte nur halbherzig. Für die „vorhersehbare Zukunft“ bleibe er im Amt, sagte er. Zumindest bis die Verhandlungen über die Anhebung des Schuldenlimits abgeschlossen seien, fügte er als Nachsatz hinzu. Weil seine Familie im Sommer nach New York übersiedelt, werde er eine Zeitlang von New York nach Washington pendeln, kündigte er an.
Eine Demission im Herbst wird damit wahrscheinlich. Es sei das ideale „Fenster“ für einen Ausstieg, bevor der Wahlkampf 2012 voll einsetzt, heißt es aus dem Geithner-Lager. Ein Rücktritt gäbe Präsident Obama die Möglichkeit, das Ministerium mit einem neuen Gesicht zu besetzen, was frischen Wind signalisieren würde.
Geithner ist der letzte „Mohikaner“ des Wirtschaftsteams, mit dem Barack Obama angetreten ist. Die Korona seiner ökonomischen Berater – Larry Summers, Christina Romer, Peter Orszag – hat das Weiße Haus bereits vor einem halben Jahr verlassen. Austan Goolsbee, Obamas derzeitiger Chefberater, ist gerade im Begriff, an seine Alma mater, die Universität Chicago, zurückzukehren.
Von Anfang an im Kreuzfeuer
Schon zum Amtsantritt deckten die Republikaner Geithner mit Rücktrittsforderungen ein. Als Chef der New Yorker Notenbank war er 2008 maßgeblich an der Rettung der Wall-Street-Banken beteiligt. Ob beim Stimulusprogramm oder bei der Nothilfe für die Autoindustrie, beim Währungskonflikt mit China oder der Regulierung der Wall Street: Der Finanzminister stand stets im Kreuzfeuer von rechts wie von links. Sein Start verlief unglücklich: Wegen Steuersäumnissen in seiner Zeit beim Internationalen Währungsfonds bestätigte ihn der Senat nur mit Müh und Not.
In der Zwischenzeit macht sich der Präsident auf die Suche nach einem Nachfolger, der mit Hürden umgehen kann. Im Gespräch sind meherere Kandidaten, unter anderem JP-Morgan-Chase-Chef Jamie Dimon und GE-Boss Jeff Immelt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2011)