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Integrationsbericht fordert: Schulpflicht durchsetzen

Integrationsbericht Schulpflicht durchsetzen
(c) Dapd (Sebastian Widmann)
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Der Bericht empfiehlt "Sanktionen", wenn Kinder nicht in die Schule gehen. Bei Migranten sei die Zahl der Schulpflicht-Verletzungen "erschreckend hoch".

Wien. Offiziell gibt es kaum Zahlen, die Dunkelziffer jener Eltern, die ihre schulpflichtigen Kinder aus der Schule nehmen, ist vor allem bei Migrantenfamilien groß: Das befürchten die Mitglieder des unabhängigen Expertenrats für Integrationsfragen unter Führung von Universitätsprofessor Heinz Fassmann, die den Maßnahmenkatalog zur Integrationspolitik erarbeitet haben. Der Bericht wird voraussichtlich diese Woche  der Öffentlichkeit präsentiert.

In dem der „Presse am Sonntag“ vorliegenden Papier zur Bildung empfehlen sie, „Sanktionen“ gegen Eltern zu setzen, die ihre Kinder am Schulbesuch hindern oder – und das lässt Interpretationen zu – „nicht aktiv“ unterstützen. Theoretisch kann schon jetzt eine Geldstrafe bis zu 220 Euro verhängt werden, praktisch kommt das aber nur selten vor. In Wien wurden im Vorjahr 1130 Schulpflichtverletzungen festgestellt – mehr Zahlen gibt es kaum zu dem Thema. Immer wieder ist von Fällen zu hören, in denen türkischstämmige Eltern vor allem Töchter vorzeitig aus der Schule nehmen. Wie viele das sind, ist unklar. Fest stehe, dass die Drop-out-Quote bei Kindern mit fremder Muttersprache vier Mal so hoch sei und dringend gesenkt werden müsse.

Wörtlich heißt es in dem Bericht: „Die Zahl der Schüler/innen, die ihre Ausbildung vor Beendigung der neunten Schulstufe abbrechen [. . .], ist erschreckend hoch. Rund 15 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund [. . .] verlassen das Schulsystem und haben keinen Abschluss vorzuweisen.“ Daher sei der Einsatz von Sanktionen zu prüfen.

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) will nun erheben, wie hoch die Zahl der Schulpflichtverletzungen von Migranten wirklich sei. Gegebenenfalls will er gesetzlich gegensteuern: „Kinder nicht in die Schule gehen zu lassen ist Zukunftsraub. Das können wir nicht tolerieren“, sagt Kurz der „Presse am Sonntag“.
Weiters empfehlen die Experten, die Möglichkeit für ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr bei sprachlichen Problemen zu schaffen. Und: Migranten sollen Zugang zu „vergünstigten“ Angeboten an Abendschulen bekommen, wenn sie die Schule bis zur neunten Schulstufe nachholen. 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 3. Juli 2011)